Viel Routinearbeit in der Arztausbildung

Arztausbildung

Foto: Shutterstock/Pressmaster

Es fehlt den Ausbildern an Zeit, daher verrichten die Ärzte in Ausbildung viele Routinearbeiten. Das zeigt eine im Auftrag der Bundeskurie Angestellte Ärzte der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) durchgeführten Befragung. Dennoch wird die Qualität der Arztausbildung in Österreich zunehmend besser bewertet. Das Problem mit dem Ärztemangel bleibt weiterhin: 38 Prozent der Medizinabsolventen arbeiten nicht im Land – und in sieben Jahren wird ein Drittel der Ärzte pensioniert.

Was haben Weinstöcke und die Arztausbildung gemein? Beide benötigen eine langfristige Planung, um den besten Ertrag zu liefern:  „Wir müssen unsere Jungärzte unbedingt heute gut ausbilden, damit wir 2025 nicht ein enormes Versorgungsproblem haben – sowohl in den Spitälern als auch im niedergelassenen Bereich“, sagt Harald Mayer, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und Obmann der Bundeskurie der angestellten Ärzte. Denn in sieben Jahren geht ein Drittel der Ärzteschaft in Pension. Eine Verlängerung des Opt-out, wie es manche Krankenhausträger andiskutiert hätten, sei jedenfalls keine Option.

Der Ärztemangel in einigen Jahren werde sich in allen Fächern bemerkbar machen, denn das Durchschnittsalter sei in etwa gleich. Tendenziell sei der Altersdurchschnitt in größeren Krankenhäusern älter als in kleineren. Letztlich seien die Auswirkungen der Pensionswelle von den einzelnen Strukturen in den Abteilungen abhängig.

Das Ausland als Ziel

Die Drop-out-Quote von 38 Prozent sei, so Mayer, ein „Luxus“, den man sich „leiste“ – es ist hinlänglich bekannt, dass ein hoher Teil der Medizinabsolventen in Österreich nicht ärztlich tätig ist. Die Gründe dahinter seien vielfältig: „Das Einkommen ist schon lange kein Thema mehr.“ Nachdem im DACH-Raum der Ärztemangel evident ist, hat die aktuelle Generation einige Möglichkeiten für die Arztausbildung.

Unlängst äußerte Markus Müller, Rektor der Medizinischen Universität Wien, während einer Podiumsdiskussion beim nextdoc Jungärzte-Kongress den Wunsch, Medizinabsolventen in Österreich zumindest für eine gewisse Zeit zu verpflichten, im Land zu arbeiten. Für Mayer sei das aber keine Lösung, auch in Anbetracht dessen, dass 25 Prozent der Medizinstudierenden aus dem EU-Ausland kommen: „Das Anlegen von Fesseln funktioniert nicht, wir müssen eher Anreize schaffen, damit die Absolventen in Österreich bleiben.“

Facharztausbildung schneidet am besten ab

Was nun die Ärzteausbildung angeht, führt die Bundeskurie für Angestellte Ärzte der ÖÄK regelmäßig Evaluierungen unter den Ärzten in Ausbildung durch. Es sind Online-Befragungen, die per Mail bzw. per Post verschickt werden. Die Fragen bezogen sich beispielsweise auf die Organisation der Abteilung, Tätigkeiten des Wissenserwerbs und der Wissenserweiterung, Arbeitsbelastung und Work-Life-Balance. Um die Anonymität zu wahren und aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, mussten pro Einheit mindestens vier Bewertungen vorliegen.

Entscheidend für die Gesamtbewertung der Ausbildungsqualität waren drei Faktoren: die Umsetzung eines strukturierten Ausbildungskonzeptes, die Ausbildenden selbst und die Erreichbarkeit der Stammmannschaft. Studienautor Alois Alkin vom Ärztlichen Qualitätszentrum zieht ein grundsätzlich positives Resümee: Österreichweit wurde die Facharztausbildung mit 2,30 am besten bewertet, gefolgt von der Basisausbildung mit 2,42. Das Schlusslicht bildet die allgemeinmedizinische Ausbildung mit einer Bewertung von 2,44.

Pathologie mit Bestnoten

Was die Facharztausbildung angeht, wurden auf Bundesländerebene Salzburg (2,1), Tirol (2,15) und Oberösterreich (2,18) am besten bewertet. Erstmals konnte die Bewertung von Ärzten in Ausbildung in der alten Ärzte-Ausbildungsordnung (ÄAO) von 2006 mit der seit 2015 gültigen Ausbildungsordnung verglichen werden. Demnach scheint die neue ÄAO die Ausbildungssituation verbessert zu haben: Nach ÄAO 2015 waren es vor allem die Pathologie und Molekularpathologie, Urologie, Hämatologie und internistische Onkologie, Gastroenterologie und Hepatologie sowie die Radiologie, die gutes Feedback erhielten.

Eine mögliche Erklärung für das bessere Abschneiden verglichen mit der allgemeinmedizinischen Ausbildung ist, dass Assistenzärzte mehrere Jahre für eine Abteilung arbeiten und daher womöglich das Bemühen für eine gute Ausbildung größer ist. In der allgemeinmedizinischen Ausbildung rotieren die Jungmediziner und bleiben drei bis neun Monate an einer Abteilung.

Rücklaufquoten regional sehr unterschiedlich

Nun mögen Tirol, Oberösterreich und Salzburg sowohl in der Basis- als auch in der Facharztausbildung und Tirol, Salzburg und Vorarlberg in der allgemeinmedizinischen Ausbildung die beste Bewertung in der Ausbildungsqualität erhalten – es gilt jedoch eines zu bedenken: Die Rücklaufquote ist regional höchst unterschiedlich. Detailzahlen zu den jeweiligen Bundesländern werden an die Landesärztekammern weitergegeben – inwieweit diese verarbeitet oder kommuniziert werden, liegt in ihren Händen. Nur soviel: Die Rücklaufquoten liegen bei Ärzten in Basisausbildung zwischen 38 und 63 Prozent, bei jenen in der Ausbildung zur Allgemeinmedizin bei 40 bis 77 Prozent und bei Jungmedizinern in der Facharztausbildung bei 26 bis 37 Prozent.

Zu viel Routine

Die häufigste Kritik der Jungärzte lag darin, Routinearbeiten zu verrichten, ohne einen Lernzuwachs zu bekommen, außerdem fehle oft das Feedback von Ausbildnern, und es gebe zu wenig Möglichkeiten, unter Anleitung zu lernen. Dennoch: Es liege, so zeigt die Evaluierung, nicht an einem Unwillen, sondern vielmehr an der hohen Arbeitsbelastung und an fehlenden Zeitressourcen.

Die Zahlen der Evaluierung der Ärzteausbildung würden „einerseits Grund zur Freude geben“, andererseits seien sie auch ein „Auftrag, eine noch bessere Ausbildung einzufordern“, sagt Karlheinz Kornhäusl, Obmann der Bundessektion Turnusärzte der ÖÄK. Ein fixer Oberarzt pro Abteilung, der für die Auszubildenden zuständig ist, sei dringend notwendig: „Wenn es uns nicht gelingt, dass junge Kollegen lernen und nicht nur für Administratives und Routinearbeiten zuständig sind, dann stehen wir 2025 da und werden uns fragen: Wo sind all die Ärzte hin?“

(Sophie Niedenzu, 24.10.2018)

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