Zu wenig Ausbildungsplätze für Jungärzte

Zu wenige Ausbildungsplätze für Jungärzte

Foto: ÖÄK/Thomas Jantzen

Während der Bund das Medizinstudium für die Grundversorgung finanziert, investieren einige Bundesländer nicht in die Ausbildung von Jungärzten. Viele verlassen daher Österreich nach ihrem Studium.

Innerhalb von zehn Jahren wird jeder fünfte Spitalsarzt und mehr als jeder dritte niedergelassene Arzt älter als 65 Jahre sein. Bis der notwendige Nachwuchs da ist, kann es allerdings noch dauern: Uniabsolventen warten aktuell ein Jahr und länger auf einen Ausbildungsplatz im Krankenhaus. Dr. Karlheinz Kornhäusl, Obmann der Bundessektion Turnusärzte, schätzt, dass etwa ein Viertel der Absolventen nach dem Studium nicht nahtlos in die Basisausbildung wechseln kann.

Wartezeiten in der Basisausbildung

Mit der seit 2015 geltenden Ärzte-Ausbildungsordnung wollte die Ärztekammer den Zugang so niederschwellig wie möglich halten. Daher ist die neunmonatige Basisausbildung, die jeder Jungmediziner unabhängig vom Fachgebiet durchläuft, unlimitiert. Ein Anerkennungsverfahren gibt es erst für die Facharztausbildung. Damit sollten Stehzeiten vermieden werden. Das ist allerdings nicht der Fall: „Sowohl die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) als auch die Online-Plattform nextdoc sammeln die Erfahrungen der Jungmediziner bezüglich der Wartezeiten für die Basisausbildung. Das hat uns dazu bewogen, mit der Landeskammer Rücksprache zu halten“, sagt Kornhäusl. Die Umfrageergebnisse decken sich mit den bisherigen Daten: In Oberösterreich liegen die Wartezeiten für die Basisausbildung bei bis zu eineinhalb Jahren, in Tirol und Wien bei bis zu einem Jahr. Grundsätzlich gilt: Je urbaner, desto länger warten Jungmediziner auf den Ausbildungsplatz. „In den kleinen Spitälern werden Jungmediziner zumindest am Anfang besser und individueller ausgebildet, doch die Städte bieten eine andere Infrastruktur und sind daher wohl begehrter“, sagt Dr. Harald Mayer, Obmann der Bundeskurie angestellter Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer. Ein zweites Problem besteht darin, dass Jungmediziner zwischen der Basisausbildung und der Facharztausbildung warten müssen, weil sie beide Teile der Ausbildung nicht im gleichen Krankenhaus absolvieren können.

Hohe Drop-out-Quote

Um Wartezeiten zu vermeiden, ist es zwar möglich, sich bereits vor dem klinisch-praktischen Jahr (KPJ) für die Basisausbildung anzumelden. Doch nicht jeder Jungmediziner weiß vor dem KPJ, auf welches Fach er sich später spezialisieren wird. Es gäbe daher laut der Ärztekammer nicht zu wenig Studienplätze, sondern zu wenig Ausbildungsplätze. Das führe dazu, dass Mediziner nicht im österreichischen System blieben. Die Drop-out-Quote bei Ärzten ist seit Jahren hoch – während die Zahl vor zwölf Jahren noch bei knapp 29 Prozent lag, ist sie derzeit bei 38 Prozent. Konkret: Von 1.218 Medizinabsolventen im Jahr 2015/2016 haben sich 460 bis 1.1.2018 nicht in die Ärzteliste der ÖÄK eingetragen. Die Ausbildung dieser 460 Medizinabsolventen kostet dem Bund etwa 227 Millionen Euro, das Anstellen von 300 Ärzten in Ausbildung würde die Länder bis zu 24 Millionen Euro kosten. „Der Bund leistet sich die Studenten, aber die Länder sind nicht bereit, 24 Millionen für Ausbildungsplätze zu investieren und so die Ärzte in Österreich zu halten“, sagt Mayer. Auf Bundesländerebene ergäbe das einen durchschnittlichen Beitrag von 2,7 Millionen Euro. Für den Ärztemangel wären daher letztendlich die Landeshauptmänner verantwortlich.

Fehlende langfristige Planung

Es gäbe allerdings laut Kornhäusl auch Positivbeispiele: So investiert das Land Steiermark in Jungärzte, dort sind die Wartezeiten entsprechend kürzer. Die gleiche Erfahrung hat die ÖH-Bundesvorsitzende Johanna Zechmeister gemacht: „Die Reaktionen in der Steiermark waren sehr erfreulich, bei andere erhält man die Antwort, dass man mindestens ein Jahr warten muss und mehrstufige Aufnahmeverfahren stattfinden“, sagt sie. Es sei wichtig, mobiler zu sein als noch vor einigen Jahren. Einen weiteren Grund für den Ärzteschwund nach Deutschland sieht sie in der fehlenden langfristigen Planung: Wer sich beispielsweise für Allgemeinmedizin interessiert, bekomme schon im Studium mit, dass die Ausbildungsqualität schlechter sei als in andere Fächern. „Außerdem ist die Lehrpraxis nur für zwei Jahre finanziert – in Deutschland hingegen ist eine Finanzierung für die Ausbildungszeit gesichert“, sagt Zechmeister.

Zusätzliche Stellen für Ausbildungsärzte würden die Wartezeit-Problematik lösen und dazu führen, dass Jungärzte nicht ins Ausland abwandern. „Wir sollten nicht warten, bis alle in Pension sind, denn die Zusammenarbeit von dynamischer Jugend mit erfahrenen Ärzten ist in der Patientenversorgung gut und sinnvoll“, sagt Mayer. Daher sollten die finanziellen Mittel vorhanden sein, um in den Spitälern einen Ausbildungsarzt pro Abteilung zu haben, der von seinem Dienst freigestellt ist, um Jungärzte auszubilden.  (Sophie Niedenzu, 7.3.2018)

1 Comment
  1. Medicus2010 5 Monaten ago

    Größtes Problem bleibt, dass sich Spitäler und ÄK gegenseitig die Schuld zuschieben!! Die Reform war lange bekannt, vorbereitet war dann keiner von beiden.

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