Turnusärzte: Alarmierende Kündigungswelle in Kärnten

Unzufriedenheit mit Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen – Ärztemangel wird sich verschärfen.

Die Bundeskurie Angestellte Ärzte der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) schlägt Alarm: Im Kärntner Landeskrankenhaus Wolfsberg sei die Situation trotz Ausbildungsreform und verschiedener vom Spitalsträger Kabeg beschlossener Maßnahmen so unbefriedigend und demotivierend, dass alle acht Turnusärzte ihre Kündigung eingereicht hätten.

„Das ist bedenklich”, hielt der stellvertretende Bundeskurienobmann und Sprecher der Bundessektion Turnusärzte, Karlheinz Kornhäusl, am Donnerstag in einer Aussendung fest. Nicht nur demonstriere die geschlossene Kündigung aller Turnusärzte die anhaltende Unzufriedenheit mit der Ausbildungssituation.

„Dass die Kollegen zu einem so drastischen Schritt bereit waren, lässt einerseits auf Systemfehler schließen, andererseits aber auch auf Schwächen der Führungsebene. Das sollte den Vorgesetzten zu denken geben”, führte Kornhäusl aus. Die seit Jahren artikulierten Hilfeschreie der Spitalsärzteschaft seien in manchen Häusern offenbar ungehört verhallt, so der stv. Bundeskurienobmann.

Damit nicht genug: Die Zukunftsperspektiven seien alles andere als rosig, und das Ansetzen des Sparstifts sowie die damit verbundene Umstrukturierung des Gesundheitssystems durch die Landespolitik sende völlig falsche Signale.

„So hält man sicher keine jungen, motivierten Menschen im System bzw. im Land”, zeigte sich Kornhäusl überzeugt. Das System trage an Kündigungswellen wie in Kärnten sicherlich die Hauptschuld, dennoch müsse man in diesem Fall auch die Führungsebene kritisch hinterfragen.

Dass vom Träger beschlossene Maßnahmen nicht umgesetzt würden, sei „ein Skandal”, so Kornhäusl weiter. „Die Maßnahmen sind ja nicht unrealistisch. Die Kollegen wollen z.B. an der Visite teilnehmen und sich regelmäßig fortbilden – Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, die aber unverständlicherweise nicht realisiert werden”, kritisierte Kornhäusl.

Stattdessen würden junge Ärztinnen und Ärzte regelrecht vergrault. Kornhäusl: „Das wird in letzter Konsequenz den Ärztemangel weiter verschärfen, gerade in ländlichen Regionen und in der Peripherie.” Er appellierte abschließend eindringlich an die Verantwortlichen, für attraktive Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen in den Spitälern zu sorgen.

„Junge Ärztinnen und Ärzte sind die Zukunft. Wir können es uns schlichtweg nicht leisten, sie zu verlieren”, sagte Kornhäusl abschließend.

08.10.2015 Quelle: aerztekammer

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