Jungärzte: Schweinshaxen zum Nähen

Jungärztekongress

Foto: MEDahead/Paul Benedek

Chirurgische Naht- und Knüpftechniken, Arztausbildung, Zukunftsperspektiven sowie Tipps von anderen Jungärzten, Hintergrundwissen zu Wundversorgung, Hepatitis und Blutgerinnung – der erste nextdoc Jungärzte-Kongress in Wien war inhaltlich sehr vielfältig.

Es ist ein etwas ungewöhnliches Bild im Haus der Ingenieure in Wien: Im Raum stehen mehrere Tische, auf denen sich verschiedene Nadeln, Fäden, Handschuhe und chirurgisches Basismaterial befindet. Mittendrin: Schweinshaxen. Sie sind der Mittelpunkt des Geschehens, denn Medizinstudierende und Ärzte in Ausbildung üben an ihnen konzentriert verschiedene chirurgische Näh- und Knüpftechniken. Als Hilfestellung dient eine kurze Anleitung, die auf der Leinwand eingeblendet ist. Tamara Braunschmied, Assistenzärztin auf der Allgemeinchirurgie am AKH Wien, geht durch, gibt Tipps und beantwortet offene Fragen: Der nextdoc Jungärzte-Kongress steht ganz im Zeichen der jungen Generation. „Ich habe bislang noch nie mit Schweinshaxen gearbeitet, im Studium sind es meist Plastikpräparate – und hier hat man, anders als in der Klinik, Zeit, die eigenen Nähkünste zu perfektionieren“, erzählt Dominikus Huber. Er absolviert gerade sein KPJ am AKH Wien. Wer geschickt und präzise nähen und knüpfen kann, hilft dem Patienten: Wunden verheilen komplikationslos, indem die Wundschichten spannungsfrei aneinander liegen.

Zukunft Arbeitsmedizin

Nach dem selbst Handanlegen ging ging es bei der Podiumsdiskussion „Neue Ausbildungsreform umsonst – steuert Österreich weiterhin auf einen Ärztemangel zu?“ um die Arztausbildung in Österreich. Die Ressourcenfrage sei weiterhin ein großes Problem: „Ich glaube nicht, dass die Kultur des Beibringens fehlt, sondern die Zeit“, sagte etwa Eduardo Maldonado-González vom Referat für Jungmediziner der Wiener Ärztekammer und Assistenzarzt für Innere Medizin am SMZ Ost. Weitere Themen waren Work-Life-Balance, das Gehalt, die Ärzteflucht ins Ausland, Jobchancen und Zukunftsperspektiven, beispielsweise in der Arbeitsmedizin oder durch neue Organisationsmöglichkeiten. Künftig soll es möglich sein, dass Ärzte andere Ärzte in ihrer Praxis anstellen.

Erfahrungen von Jungärzten

Bevor es allerdings dazu kommt, selbstständig in Ordinationen tätig zu sein, ist eine der elementarsten Fragen für Jungärzte: Was benötigt man als Arzt in Ausbildung im Dienst überhaupt? Wie ist man gut drauf vorbereitet? „Stethoskop, Stauschlauch und – ganz wichtig – ein Notizbuch“, erzählte Marina Ardeljan, Turnusärztin am Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien, bei ihrem Vortrag. Viel Wert werde außerdem, so die junge Ärztin, darauf gelegt, dass sich die neuen Ärzte in Ausbildung bei allen im Team vorstellen. Sie präsentierte die wichtigsten Fälle, mit denen Turnusärzte auf der chirurgischen und internen Abteilung konfrontiert werden: „Wenn ihr euch unsicher seid, fragt immer nach – aber überlegt euch genau, wie ihr den Fall klar schildert.“ Ardeljan präsentierte auch einige Fälle, die ihr von ihrer Ausbildung in Erinnerung geblieben sind, etwa ein Patient mit schwerer COPD. Einen weiteren Tipp, den sie den Kongress-Besuchern mitgab: „Schaut euch bei geriatrischen Patienten immer die Blase genau an.“

Wundversorgung und neue Hepatitis-Therapien

Neben den Tipps aus der Praxis erhielten die Kongress-Besucher einen Überblick über das Wundmanagement. „Wundversorgung ist ein wichtiges Thema, aber es kommt im Studium einfach zu kurz“, erzählt eine Medizinstudentin, die bald abschließen wird. Neben dem Wundmanagement, der Diabetologe und Immunonkologie war auch die Hepatitis Kongress-Thema: Wie erkennt ein Arzt eine akute Hepatitis? Wie erfolgt die Therapie bei Fallbeispielen?

Denn gerade bei der Behandlung von chronischer Hepatitis C hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert: Antiviral wirksame Medikamente („direct antiviral agents“, DAA) haben die interferonbasierte Therapie abgelöst. DAAs greifen in den Replikationsprozess der Viren ein, in dem sie drei essenzielle Enzyme inhibieren. Es handelt sich daher um Protease-Hemmer, NS5A-Hemmer und Polymerase-Hemmer. Sie sind hocheffektiv und nebenwirkungsarm für praktisch alle Patienten mit einer chronischen Hepatitis-C-Infektion. Via App konnte das Publikum spezifische Fragen zu präsentierten Hepatitis-Fallbeispielen live beantworten. Die Mehrzahl lag bei den Antworten aller Fragen richtig.

Bei einem entspannten Ausklang konnten sich die Besucher des ersten nextdoc Jungärzte-Kongress in Wien miteinander vernetzen. Die Schweinshaxen wurden übrigens ordnungsmäßig entsorgt. (Sophie Niedenzu, 23.10.2018)

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