Warnung! Text Wall – Verzweifelt, Quereinstieg, Alternativen

Dieses Thema enthält 2 Antworten und 3 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Fdog vor 1 Woche, 2 Tagen.

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  • #14039377
     Serotonin 
    Teilnehmer

    Liebe Alle,


    ich weiß natürlich nicht, ob das hier der richtige Platz für derartige Fragen ist (wenn nicht, dann bitte einfach löschen!), trotzdem möchte ich sie stellen, da ich der Meinung bin, wenn mir jemand eine valide Meinung geben kann, dann Leute in diesem Forum! 

    Ich bin 25, aus dem Burgenland in Österreich und studiere zZ Lehramt. Schon sehr früh habe ich mit Ballettunterricht begonnen, das Pensum nahm schnell zu und schon bald war ich im Gymnasium der Wiener Staatsoper. Meine Eltern drängten mich nie in eine Richtung, sondern unterstützten einfach immer meine Entscheidungen. Natürlich träumte ich davon, Primaballerina zu werden oder zumindest im Corps de Ballet tanzen zu können, doch die Konkurrenz ist sehr groß, die Bezahlung gering und die Karriere kurz und familienunfreundlich. Da ich durch das Tanzen so oft mit Ärzten in Kontakt kam, war mein zweiter Karriereplan im Hinterkopf immer die Medizin. Auch in der Schule möchte ich Biologie und Chemie definitiv am liebsten- Nach der Matura mit 19 bekommen alle Schüler einen einjährigen Vertrag im Corps de Ballet. Danach war ich 2 Jahre im Ausland. Und mit fast 23 habe ich mich dann dazu entschieden, doch einen „richtigen“ Karriereweg einzuschlagen, wegen oben genannten Punkten.
    Ich habe kurz überlegt, ob ich eventuell ein Tanzpädagogik Studium beginnen soll, hab das aber schnell wieder verworfen, weil die Jobs und Bezahlung wirklich minimal sind. Ich habe dann einige Praktika im Krankenhaus gemacht (meine Cousine ist Ärztin in der KiJuPsy) und war mir dann sicher, dass es Medizin sein soll. Ich habe den MedAt damals ganz knapp (um 2 Ränge) in Wien nicht geschafft. Ich war sehr enttäuscht und konnte damit schwer umgehen. Ich wollte aber endlich ein Studium beginnen und habe mich so entschieden, Sport&Musik auf Lehramt für Gymnasien zu studieren, da ich mir dachte, so kann ich meiner „Passion“ treu bleiben. Ich habe ganz schnell gemerkt, dass ich mich nicht „angekommen“ fühle, jedes Jahr, wenn es wieder Artikel zum MedAt Anmeldezahlen gab, wenn ich hörte, dass Bekannte Medizin studierten oder studieren wollten oder ich die unzähligen Facebook-Gruppen zum MedAt sah, musste ich den Gedanken verdrängen, wie viel lieber ich einfach Medizin studieren wollte. Ich habe mein Studium brav weiter verfolgt, aber bereits überlegt, ob es nicht doch Alternativen gab.
    Sonst bin ich wirklich sehr glücklich mit mir und meinem Leben, ich habe super Freunde, eine tolle Familie und mir geht es gut. Leider war und ist mir Ausbildung einfach sehr wichtig, dass ich mich wohl fühle in dem, was ich mache und meine Arbeit selber wertschätzen kann. Ich „identifiziere“ mich immer sehr über das, was ich mache und wie ich es mache. Und das Lehramtsstudium ist für mich eigentlich nur noch eine Qual.
    Nun ja, da ich momentan immer unglückliche werde, ist mir das Medizinstudium wieder in den Sinn gekommen.


    Natürlich habe ich mir zuerst über Vieles Gedanken gemacht: Ich bin schon 25, dann bin ich erst mit 30 im PJ – ist das nicht uralt? Wie soll das mit Kindern und Familie funktionieren? Wie kann ich mich finanzieren?, gefällt mir das wirklich?, habe ich vl eine idealisiertes Bild vom Arztberuf?, usw. Diese Phase habe ich aber überwunden. Ich habe mich lange damit auseinandergesetzt und kann sagen, dass ich das auf jeden Fall will und weiß, dass das das Richtige für mich ist. Der“ hohe“ Verdienst, der vielleicht viele anlockt, hat definitiv nichts damit zu tun – denn dafür ist die Ausbildung und auch die Arbeit hart und ich würde diesen Beruf auch ausüben wollen, wenn ich weniger verdienen würde, als als Lehrerin, solange ich halbwegs davon leben kann.

    Zurück zum Lehramt wäre für mich irgendwie eine „Niederlage“ und meine Motivation wäre unterirdisch. Irgendetwas anderes kann ich mir zum einen nicht vorstellen, zum anderen fällt mir auch nichts ein, was in meinem Alter zumindest noch einen halbwegs lukrativen Job ermöglicht und nicht nur Selbstverwirklichung ist! (Außer Krankenpflege, dazu unten mehr) Nun gibt es ja die Option, in Deutschland, zu studieren. Sollte mit 1,1 dieses WS eigentlich passen.
    ABER: Ich weiß nicht, ob ich das „wagen“ soll. Ich bin schon 25, ich hab nicht mehr den Drang, die Welt zu entdecken oder jedes Wochenende zu feiern. Ich fühle mich wohl, ich verstehe mich super mit meinen Eltern, ich passe auf meine zwei kleinen Nichten auf, ich unternehme oft was mit Freunden aus der Schulzeit und jedes Wochenende treffe ich mich mit meiner besten Freundin, die ich seit über 20 Jahren kenne, zum Brunch. Es ist natürlich klar, dass ich sowieso Abstriche machen müsste, auch, wenn ich hier mit dem Studium beginne – Nachtdienste, Lernen etc. Und das ist sowieso in vielen Berufen so. Aber ich weiß eben nicht, ob ich es schaffe, mein „Leben“ hier so zurückzulassen, denn eig bin ich schon so „gesettelt“.

    Meine Eltern sind beide über 65 und ich wollte eben immer gerne mein Leben so nahe wie möglich mit meiner Familie und Freunde leben.
    Viele wären wahrscheinlich der Meinung, dass ich komisch bin, ein Weichei oder ähnliches. Ich würde einfach sagen, dass ich einfach zu sensibel in fast allen Lebenslagen bin, weshalb mir es eben so viel wert ist, bei Menschen zu sein, zu denen ich eine gute und enge Bindung habe. Bitte nicht falsch verstehen – ich komme gut alleine klar und ich kann mir durchaus vorstellen, dass ich auch einige Zeit nicht zu Hause bin. Fakt ist aber, dass einfach schon 25 bin, in den nächsten Jahren wird’s natürlich auch mit Kindern im Freundeskreis spannend und so sehr mit Arbeit wichtig ist – Familie, Freunde und Zeit mit ihnen ist mir noch wichtiger. Und ich will einfach nicht mit 29 alleine in Deutschland in einem kleinen WG Zimmer sitzen. Hier im Burgenland haben meine Eltern unser ehemaliges Haus verkauft ein Doppelhaus gebaut, eines für sich und einen für meinen Bruder und mich zum Teilen. Natürlich würde einer von uns sowieso irgendwann ausziehen, und am ehesten ich – aber trotzdem. Leider habe ich mich für den MedAt dieses Jahr nicht angemeldet. Abgesehen davon wäre das auch keine Garantie, genommen zu werden. Und noch ein Jahr dahin“vegetieren“ halte ich einfach nicht aus!
    Ich bin extrem hin- und hergerissen, es zehrt wirklich an meinen Nerven und ich stelle alles, was ich nach der Matura getan habe, so sehr in Frage.
    Ich bin auf jeden Fall offen für Neues und natürlich freue ich mich, neue Leute kennen zu lernen. Das ist auch wichtig! Momentan habe ich aber wirklich einen Tiefpunkt und das Gefühl, die Zeit sitzt mir mit einem riesigen Beil im Nacken. Ich möchte mir kein neues Leben in Deutschland aufbauen – aber ich möchte dort auch nicht halbherzig studieren und im Endeffekt nur unglücklich sein.
    Ich habe auch überlegt, Krankenpflege zu studieren – aber ich denke, ich wäre ständig „neidig“ auf die Ärzte und könnte mich nie mit diesem Gedanken abfinden.

    Ich ärgere mich halt, denn ich weiß, ich wäre eine gute Ärztin, es würde mir Spaß machen und das Studium sicher meistern können, denn ehrgeizig bin ich. Ich würde sogar gerne Landarzt werden, noch lieber aber in die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Beides Fächer, die sowieso gebraucht werden.

    Also bleiben eigentlich nur zwei Option: Medizin in Deutschland oder Lehramt in Österreich. Da ich es aber (wie ewig lange erläutert – sorry!) ausschließe, so lange in Deutschland zu bleiben, würde ich einfach am liebsten wechseln. Ja sicher, es gäbe die Option, dass ich den Test zB nächstes Jahr nochmal mache und so lange in D studiere – aber „nix is fix“ und es kann ja auch schief gehen. Außerdem würde ich auch gerne währen des Studiums – gegen Ende – eventuell schon ein Kind bekommen (alleine geht es zwar schwer, aber man darf ja noch hoffen 😛 ) , da ich mir das in der Assizeit eher mühsam vorstelle und dann wahrscheinlich auch einfach arbeiten möchte. Ein Wechsel ist laut MedUni Wien mit 180 ECTS möglich. Ich dachte, ich könnte bis zum Physikum in Deutschland bleiben, dann im dritten Jahr ein „Auslandsjahr“ in Wien machen und dann quer einsteigen. Aber diese Plätze sind doch so begehrt und fast unmöglich zu bekommen. Wenn dann mal Plätze frei sind, dann muss man sich gegen ganz viele andere in diesem Quereinsteigertest durchsetzen.

    Also doch Lehramt?

    Ich weiß eigentlich nicht, was ich mir hier erwarte, ob das überhaupt jemand liest und ob jemand eine Meinung dazu hat. Fakt ist, dass ich einfach gerade ratlos bin und mich einfach über jeden Tipp oder Meinung – gerne auch per PN – freuen würde.
    Ganz liebe Grüße vom Neusiedlersee,

    Elisa

    #14039382
     Medicus2010 
    Teilnehmer

    hmm, ich versuch mal die antwort kurz zu halten! 25 ist nicht zu alt um das studium zu beginnen. es gibt sicher nichts schlimmeres als sein ganzes leben lang einen job zu machen den man hasst, daher würde ich dir definitiv raten deinen traum weiterzuverfolgen. das studium und der beruf haben aber ihren preis, und der beruf als arzt klingt am papier oft besser als in der gelebten realität! wenn du in DE bessere Chancen hast, würde ich diese wahrnehmen, wenn es mitn MedAT wieder nicht klappt, immer wieder ein jahr verlieren wirds nicht einfacher machen! bzgl. kinder würde ich mir dann gedanken machen, wenns spruchreif ist;-)
    hoffe das hilft dir etwas weiter!
    lg

    #14039385
     Fdog 
    Teilnehmer

    Denke auch nicht dass 25 zu alt ist, allerdings kenne ich so viele Leute die wirklich alles für das Studium aufgeben würden oder aufgegeben haben, für die deine Situation wohl fast ein Schlag ins Gesicht ist.. du hast die Möglichkeit deinen Traum zu verwirklichen, könntest es in München versuchen oder selbst an irgendeinem anderen ort in deutschland der nicht wirklich weit weg von deiner heimat ist und alleine das lässt dich zweifeln? Wenn du wirklich Medizin studieren willst und der Job als Arzt dich erfüllen würde, trotz aller widrigkeiten in denen man teilweise auch in der ausbildung sein Privatleben begraben kann, dann gibt es für dich nichts zu überlegen, du musst ja schließlich nicht das Risiko aufnehmen und bspw. In Bulgarien auf einer fremden Sprache für etliche tausend Euro deinen Traum erfüllen..
    Wenn dich aber alleine die Distanz schon derart belasten würde, solltest du dir überlegen ob das wirklich dein traum ist oder da auch etwas Wunschdenken dabei ist. Auch viele andere Berufe werden respektiert, nur gibt es vielleicht darüber nicht immer Serien oder Filme. Überlege dir Krankenpflege oder Physiotherapie zu studieren mit anschließendem krankenhausmanagment, denn ich denke dass du dann in deiner Funktion ebenfalls Menschen helfen kannst und nicht in irgendeiner Weise den meisten Ärzten “unterstellt” wärst, sondern in einer anderen art unf weise mit ihnen zusammenarbeitet. Man kann sich an vieles im Leben gewöhnen und viele Dinge finden auf die man stolz sein kann, der Beruf alleine muss niemanden definieren und mit dem Alter kommt die Gelassenheit dass man nicht allem hinterherjagen muss was man sich irgendwann mal erträumt hatte, vor allem wenn man andere Teile seines Lebens nicht dafür aufgeben will.

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