Lehrer oder Studium mit 25?

Dieses Thema enthält 5 Antworten und 4 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  illusion vor 11 Monate, 1 Woche.

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  • #14036583
     Lara Lisa 
    Teilnehmer

    Liebe Alle,
    ich hoffe, ich bin hier ansatzweise richtig und würde mich über jegliche Meinung/Erfahrung/Tipps freuen.

    Meine Situation: weiblich, 24 Jahre alt, aus Wien. Wollte immer Medizin studieren, zweimal knapp keinen Platz erhalten, dann für Lehramtsstudium entschieden, den Wunsch, Medizin zu studieren, verdrängt.
    Bräuchte noch drei Semester bis zum Abschluss, aber momentan extrem unglücklich, für die Inhalte des Studiums null Interesse, war auch bereits sechs Monate an einer Schule unterrichten und diverse Praktika (dazu muss ich sagen, dass ich davor ausreichend Erfahrung mit Kindern hatte und auch der Meinung bin, dass ich menschlich sehr gut mit ihnen umgehen kann. Mich interessiert das Studium aber einfach überhaupt nicht, außerdem hat sich das Lehrerbild, in den letzten Jahren so extrem verändert, dass mir die Aufgaben einfach auch keinen Spaß mehr machen. Die Bildungsreform “zwingt” alle Lehrer nun, auch wenn sie für Gymnasium studiert haben, in Hauptschulen zu unterrichten, Sonderschulen werden aufgelöst, man wird immer mehr angefeindet und das das neue Gehaltsschema ab nächsten Jahr verkürzt das Gehalt immens….-ich könnte tausend Beispiele nenne, warum ich keine Lehrerin sein will und bin traurig, dass es so spät “rauskommt”)

    Meine Überlegung: ich würde nächstes Jahr mit meinen Wartesemestern zu 99,99 % einen Platz in Deutschland als Medizinstudentin bekommen und bin gerade sehr am Zweifeln, ob ich das nicht eventuell machen soll.

    Die Überlegung wäre, mit dem Studium aufzuhören und jetzt ein Jahr arbeiten zu gehen. Dann hätte ich ungefähr 25.000 € gespart. Si könnte ich nächstes Jahr nach Deutschland gehen um dort zu studieren. Die Ferien könnte ich immer zu Hause bei meinen Eltern verbringen, haben ein großes Haus. Außerdem bietet sich ein Auslandssemester in Wien an, in dem ich auch zu Hause wohnen könnte und mir quasi ein halbes Jahr die Kosten sparen würde. Jegliche Famulatur dann könnte ich ebenfalls in Wien oder in Tirol machen, da wir auch dort Familie haben. Ach das praktische Jahr würde ich dann (vermutlich) in Wien machen. Ich möchte neben dem Studium in Deutschland auf keinen Fall arbeiten, denn wenn ich noch einmal so ein Studium wie Medizin beginne, dann möchte ich diesem auch zu 100 % meiner Zeit widmen.

    Wenn ich also eine über Gegenüberstellung mache:

    LEHRER: Durchschnittsgehalt brutto pro Monat 3500 €, viele Ferien, 1/2 Jahre noch bis zum Abschluss, schlechte Arbeitsbedingungen, kein Interesse mehr am Studium, keinen Spaß an der Arbeit

    ARZT: Interessantes Studium und Arbeit, aber schweres Studium und viel Arbeit, die nächsten sechs Jahre finanzielle Belastung

    Ich weiß natürlich, dass es für beides gute Argumente aber auch gegen Argumente gibt und dass es im Endeeffekt nur ich entscheiden kann.
    Einerseits denke ich dennoch, “ach, ich mach das einfach fertig, dann möchte ich eh bald Familie gründen und fertig”. Andererseits weiß ich, dass es heutzutage kaum geht, ohne dass beide Partner verdienen und schließlich will ich auch für mich selbst sorgen können und wenn ich somit mindestens noch 30 Jahre meines Lebens arbeiten gehe, wäre es nicht schlecht, wenn mir die Arbeit auch mir gefallen würde. Und die Alternativen eines Lehrers sind grade nicht die besten. Und was sind in diesem Hinblick dann 4 Jahre länger?

    Ich würde mich daher sehr freuen, wenn mir jemand seine Erfahrungen teilen könnte oder einfach seine/ihre Meinung dazu abgeben würde, wie er/sie in diese Situation handeln würde.

    Ich freu mich wirklich auf eure Nachrichten!

    Ganz liebe Grüße

    #14036584
     Ruth

    Hey du, 🙂

    Natürlich will ich dich in keine Richtung drängen und ich kann dir nur sagen was ich tun würde. Und ich mach das jetzt auch kurz und knapp:
    Ich würde würde an deiner Stelle deinem Wunsch nachgehen und mich für das Medizinstudium entscheiden.

    Ich finde es furchtbar traurig wenn Menschen ihren Berufstraum an den Nagen hängen nur weil sie denken, dass sie mittlerweile zu alt dafür sind. Du bist erst 24. Ich war mit mehreren Personen in meiner Kleingruppe, die 30+ waren und dann erst angefangen haben Medizin zu studieren.
    Klar gibt es viele Studenten, die schon mit 18/19 begonnen haben und ich bin auch selbst eine dieser Personen, aber es gibt mindestens genauso viele die älter sind. Viele haben schon ein Studium abgeschlossen, viele haben sogar schon einige Jahre Erfahrung im Berufsleben, oder sich doch spontan erst entschieden. So sieht das zumindest bei uns in Wien aus und durch die Regelung Wartesemester in Deutschland wird das dort, schätze ich, sehr ähnlich ausschauen.

    So wie du klingst wirst du mit deinem späteren Beruf als Lehrer nicht viel Spaß an der Arbeit haben. Das ist für dich nicht lustig und für deine Schüler bestimmt auch nicht.
    Und da muss man ehrlich sein: Du wirst diesen Beruf wahrscheinlich dein restliches Leben ausführen, wenn du dich nicht früher oder später umschulen solltest. Ob du das wirklich willst musst du selber wissen.

    Klar ist das Medizinstudium harte Arbeit, in D. durch das Physikum & co. vielleicht noch mehr, aber deshalb ist man ja auch so motiviert. 🙂

    Im Endeffekt musst natürlich du entscheiden, allerdings klingt es für mich so, als hättest du dich bereits entschieden.

    #14036586
     Bernhard

    Hallo Lara,

    Seh das pragmatisch, was du hast, hast du. Dh wenns geht würd ich Pädagogik fertig machen.
    Auch in Hinblick auf Nebenjob in Medizin.
    Inwiefern hast du 2x knapp keinen Platz erhalten? Meinst du den Aufnahme-Test und wenn ja wo in A, Graz, Innsbruck oder Wien.
    Habe persönlich in Graz studiert, allerdings erst mit 27 begonnen. Dh du bist definitiv nicht zu spät dran mit 25 Med anzufangen. Kann Graz vom System her am meisten empfehlen, da ich mit SIPs wie in Wien und Innsbruck nichts anfangen kann. Das deutsche System kann ich in dem Punk nicht beurteilen.

    Generell: Abhängig vom Studienplan der jeweiligen Uni, Nebenjob ist immer drin. Problem ist eher was Kompatibles zu Med ausser Bar-Job zu finden. Hab selbst zB als Auswerter von 24h-EKGs gearbeitet. (Patho-Semester und Anatomie ausgenommen).
    Du brauchst für das Studium hauptsächlich Sitzfleisch. Würde es nur machen wenn es es dir wirklich wert ist. Fürs Probieren ist es zu zeit- und ressourcenintensiv. Es gibt genug Themen in der Medizin die mehr oder weniger uninteressant für den einzelnen sind. Die Arbeitsbedingungen als Arzt werden auch nicht unbedingt besser bzw du musst einrechnen du wirst in der Arbeit mit Bürokratie regelrecht zugeschüttet. Diese verhindert teilweise auch dass Menschen im konkreten Fall die bestmögliche Behandlung bekommen. In Deutschland ist das System dahingehend viel ärger, in A geht’s mittlerweile in die gleiche Richtung.

    Kannst dich gerne melden, wenn du noch Fragen hast.

    lG

    #14036597
     Lara Lisa 
    Teilnehmer

    Erstmal ganz herzlichen Dank für eure beiden Antworten. Ja genau, zweimal EMS in Wien versucht, und um 16 bzw 21 Ränge nicht reingekommen.

    Ja, das denke ich mir natürlich auch – allerdings ist die Uni momentan so überlaufen, dass es leicht sein kann, dass ich nicht in alle Kurse komme, und dann dauert es doch noch mal länger als drei Semester. Deshalb würde ich es halt lukrativer finden, das Jahr arbeiten zu gehen und noch etwas dazu zu verdienen.

    Ich weiß natürlich, dass man den Arztberuf sicher nicht beschönigen darf und es auch hier viele negative Seiten gibt, wie Arbeitszeiten, Druck, Bürokratie,…und in meinem Fall noch das Alter.

    Andererseits, so wie du geschrieben hast, liebe Ruth, muss ich das einfach mein Leben lang machen, und dahingehend sind 6 Jahre mehr oder weniger Nichts, im Gegensatz zu 35 Jahre Arbeit! Es geht mir auch definitiv nicht ums Geld, das möchte ich hier auch nochmal betonen, dass das Arztgehalt nicht mehr reich macht – zumindest in “normalen” Positionen, ist mir vollkommen klar. Trotzdem denke und hoffe ich, dass ich auch noch gut durchs Leben komme, wenn ich eben erst mit 31 richtig Geld verdiene, wenn ich Assistenzarzt bin.

    Während der Vorklinik, also bis zum Physikum, würde ich übrigens nur von meinem Ersparten leben, denn ich glaube, dass ist schon richtig anstrengend und ich will mich voll reinhängen.
    Wie es dann in der Klinik ist, weiß ich natürlich nicht, aber da ergibt sich eventuell ein kleiner Nebenjob. Und sonst, wie gesagt, alle Famulaturen, ein Auslandssemester und natürlich das PJ würde ich definitiv in Österreich machen, einfach auch, um Geld zu sparen, da ich hier einfach gratis wohnen kann.

    So denke ich, dass ich eig ganz gut über die Runden komm’ mit dem Ersparten und dann eben mit 31 erst richtig was verdiene, wenns aber dann das ist, was ich will, ist das für mich vollkommen okay. Ich bin nicht der große Luxusfreak was teure Kleidung, Hobbys, Essen gehen oder Freizeit angeht. Von daher sehe ich darin eigentlich kein großes Problem.

    Ich habe halt eher Bedenken wegen der Familie. Ich habe gute Freunde und eine super Beziehung mit meiner Familie, außerdem wäre ich ja oft genug zu Hause, aber das mit den Kinder (die ich unbedingt möchte, zumindest eines, vielleicht zwei) wäre allerdings das einzige Problem, das ich sehe.

    Andererseits, ich kenne auch einige, die ihre Kids kurz vorm bzw im PJ kriegen. Sicher nicht das Idealste, weil es natürlich mega stressig ist mit Kind und man das PJ eventuell unterbrechen oder in Teilzeit machen muss, allerdings mit Elternzeit des Mannes oder Unterstützung der Großeltern (die ich sicher habe) auf jeden Fall möglich… Ist zwar irgendwie blöd, sich darüber jetzt schon Gedanken zu machen, aber ist halt einfach auch ein (ausschlaggebende) Faktor.

    Wie auch immer, ich werde mir das noch ein bisschen durch den Kopf gehen lassen, bedanke mich aber noch mal ganz herzlich für eure lieben Antworten!

    LG

    #14036624
     erolda 
    Teilnehmer

    Hallo! Also meiner Meinung nach spricht alles für Medizin bei dir – ich würde aber auch vorschlagen, nochmal für den MedAT zu lernen, und auch den zu probieren, das wär für dich ja eine große finanzielle Erleichterung, wenn du in Wien studieren könntest, oder?

    25 ist kein Alter, willst du wirklich 40 Jahre in einem Job arbeiten, der dir nicht gefällt? Das Problem ist, als Lehrer gibt es ja auch recht wenig Möglichkeiten, sich zu verändern, im Grunde machst du vom Einstieg bis zur Pension den selben Job…

    Das mit den Kindern seh ich unproblematisch bei dir, du wärst mit 31 fertig, danach hast du noch genug Zeit Kinder zu bekommen, was ich so mitbekomme gibt es viele Assistenzärztinnen, die Kinder bekommen, aussetzen und dann in Teilzeit weiterarbeiten…

    Ich bin in einer ähnlichen Situation, nur dass ich 5 Jahre älter bin 😉

    liebe grüße

    #14037032
     illusion 
    Teilnehmer

    Ich kann nachfühlen wie es dir geht, aber ich möchte dich ermutigen dein aktuelles Studium nicht kurz vor dem Ende zu schmeißen. Beiß dich, wenn es dich nicht total unglücklich macht, durch, dann hast du den Abschluss in der Tasche. Du musst ja dann trotzdem nicht in dem Beruf arbeiten.

    In Deutschland werden in einigen Teilen des Landes, glaube ich, händeringend Lehrer gesucht. Vielleicht könntest du dann zB ein paar Stunden pro Woche unterrichten und dir so dein Medizinstudium finanzieren?

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