Berufserlaubnis nach 10 Abs. 5 BÄO in Dtl

Dieses Thema enthält 13 Antworten und 5 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Elender_Streber vor 6 Jahre, 8 Monate.

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  • #98830
     Domi.nika 
    Mitglied

    Hallo, ich habe in diesem Forum einige ältere Beiträge gefunden, in denen über Assistenzarztstellen in Dtl. und die ehem. österreichische Turnusregelung diskutiert wurde. Anscheinend wurden in diesem Zusammenhang von deutschen Behörden Berufserlaubnisse nach 10 Abs. 5 BÄO erteilt. Gibt es vielleicht jemanden, der mir in einem ähnlichen Fall (Medizinstudium in Irland) weiterhelfen kann? Ich bräuchte nur die Info, ob man mit dieser Erlaubnis als Assistenzarzt arbeiten kann/konnte und u.U. welche Stelle diese Mögkichkeit bestätigt hat (zuständige Regierung und Ärztekammer geben bisher keine eindeutige Stellungnahme).
    Ganz herzlichen Dank schon mal!

    #851504
     Anonym

    Dazu musst du die Richtlinie 2005/36/EC ansehen. Es ist abhaengig, wann man in Irland die Approbation bekommt. Hat ein Arzt im Ursprungsland die Berechtigung zum selbstaendigen Arbeiten erhalten, muss er diese auch in Deutschland… bekommen. Heisst in D. dann Approbation. In Holland bekommt man die Berechtigung zur selbstaendigen Ausuebung zum Beispiel direkt mit dem Studienabschluss. Das bedeutet dass der niederlaendische Medizinabsolvent in Deutschland, Oesterreich… direkt die Approbation bzw. das jus practicandi erhaelt. Vor Einfuehrung des jus migrandis konnte ein oesterr. Medizinabsolvent beispielsweise allein eine Berufsberechtigung in D. anfragen, da man mit einem oesterr. Medizinstudium das jus pract. erst erhaelt, wenn man eine Facharztausbildung / allgemeinaerztl. Ausbildung abgeschlossen hat.  

    #851506
     Domi.nika 
    Mitglied

     Danke, goldi! In Irland muss man nach dem Studium erst ein intern year machen, bevor man seine Approbation erhält. Die Erlaubnis nach Abs. 5 ist dann dazu da, dieses auch Dtl ableisten zu können, um es anschließend in Irland anrechnen zu lassen. Da es hier aber keinen AiP mehr gibt, stellt sich die Frage, als was man genau vom Krankenhaus eingestellt wird. Assistenzarzt oder irgendeine andere Bezeichnung? Da scheinbar einige österreichische Ärzte in der gleichen Situation waren, hoffe ich, dass ich es hier herausfinden kann.

    #851518
     Anonym

    Wenn man die Approbation laut Richtlinie 2005/36/EC in der Tat noch nicht hat, muss man in D. eine Berufsberechtigung anfragen. Wie man bezahlt wird, ist Verhandlungssache. Vorteil ist, dass man in D. extrem viel Aerzte sucht. Wenn also ein schlechtes Angebot ala AiP (waren damals rund 700 Euro) kommt, einfach nicht annehmen. Und nicht zu vergessen: Man muss sich bei der irischen Aerztakmmer etc. erkundigen, ob sie die Zeit in D. anrechnen. Ist sehr wichtig.

    #851625
     Domi.nika 
    Mitglied

    Im Moment ist es leider so, dass das krankenhaus prinzipiell mit einer Einstellung als Assistenzarzt einverstanden wäre, aber sich aus rechtlichen Gründen dazu nicht in der Lage sieht. Die Gesetze und zuständigen Stellen sagen dazu nichts (soweit ich weiß). Es wäre also super überhaupt zu wissen, ob schon mal jemand mit dieser Erlaubnis als Assistenzarzt gearbeitet hat…

    #851736
     Wassmund71 
    Mitglied

    Hallo Domi.nika,
    ich habe aufgrun der o.g. Erlaubnis 3 Jahre nach meinem Studium in Österreich wieder in Deutschland als Assistenzarzt gearbeitet.
    Das Haus an dem du Dich beworben hast ist offensichtlich, was die Rechtslage in Deutschland angeht , schlecht informiert, oder, als böse Unterstellung, es will eine fertige Ärztin zum Preis einer Praktikantin einkaufen!
    Für die Erteilung der Berufserlaubnis sind die Bezirksregierungen in Deutschland-auf ihren Internetseiten hast du auch die meisten Formulare .Dort erhälst Du auch Informationen welche Unterlagen du noch beibringen mußt.
    Die bearbeitungsdauer ist allerdings in deutschland rechte unterschiedllich von 14d (Köln) bis 6 Wochen(! Thüringen!).
    Prinziepiell darfst Du dann alles machen , was ein approbierter Arzt darf, allerdings darfst du rein formell keine Rezepte(in der Praxis wird dies allerdings oft ignoriert) oder Atteste aússtellen, weil dies nur ein Vollapprobierter darf( eigentlich darfst Du eh nur unter aufsich eines Vollapprobierten arbeiten 😉 ).
    Zu den rechtlichen Fragen erkundigst du dich am besten bei einem der Berufsverbände in Deutschland(hier kann ich Dir den hartmann bund sehr empfehlen., denn mit Auskünften ist der, obwohl ein kleiner Verband sehr schnell)
    Mit der Vollapprobation kannst Du dann spätestens dann rechnen , wenn Dir auch in deinem Studien-/Herkunftsland,die erlaubnis zur selbstständigen ärztlichen Arbeit erteilt werden würde.
    In meinem Fall wurde mir nach drei Jahren die Vollapprobation erteilt.
    Ich hoffe, daß ich Dir eine wenig weiterhelfen konnte und verbleibe
    mfG, Wassmund71

    #851801
     Domi.nika 
    Mitglied

    Hallo Wassmund71,
    danke für deine Antwort! Was du schreibst gibt Grund zur Hoffnung, dass ein anderes Krankenhaus weniger auf dieser (unzutreffenden) rechtlichen Einschätzung beharrt.
    Viele Grüße,
    Domi.nika

    #851811
     Watti 
    Mitglied

    Sorry, ich bin jetzt im 3. Jahr und wir hatten eine Diskussion bezüglich Jud Migrandi/practicandi…hier im Forum wird es zwar oft angeschniten, aber es gibt keine klare Aussagen bzw. wo man diese dann wirklich findet.

    Also meine Fragen:
    1. Jus practicandi: Ab wann hab ich das? Muss ich dafür den Turnus machen, oder kann ich gleich den FA machen und bekomm es dann?
    Was hier unklar ist: Darf ich als Allg. mediziner mehr verschreiben als FA für Kardiologie oder Gyn.?
    Z.B. einer fällt um, ich weiss das er einen Herzinfarkt hat, darf ich ihm als Gynäkologe etwas geben, oder nur reanimieren bis ein "echter" Arzt kommt…?

    2. In welchem Zusammenhang steht das Jus migrandi?
    Könnte man nun nach dem Studium nach D oder in die Schweiz und dort wie jeder andere eine FA machen? Soll heissen, bekomm ich durch das Jus migrandi die Approbation?

    3. Fallbeispiel:
    Ich mach mein Studium in Ö fertig, geh dann nach D. Bis ich dem dt, Studenten irgendwie im Nachteil? Und wenn ja, kann man das verhindern? Ab wann darf man dann das gleiche?

    Tut mir leid, ich weiss, schon oft durchgekaut, aber ich werd nicht schlau draus, da jeder was anderes erzählt!
    Wäre euch sehr dankbar!

    Gruß Watti

    #851822
     Anonym

    [quote=Watti]

    Also meine Fragen:

    1. Jus practicandi:

    2. In welchem Zusammenhang steht das Jus migrandi?

    3. Fallbeispiel:

    Ich mach mein Studium in Ö fertig, geh dann nach D. Bis ich dem dt, Studenten irgendwie im Nachteil? Und wenn ja, kann man das verhindern? Ab wann darf man dann das gleiche?
    [/quote]

    Glueck gehabt, dass du in Deutschland arbeiten willst :bigsmile: . Dann stellt sich die erste Frage fuer dich nicht.
    1) Ist nur von Bedeutung, wenn du in Oesterreich taetig wirst. Jus practicandi sagt aus, dass du selbstaendig arbeiten darfst (sozusagen die Approbation veliehen bekommst). Diese erhaeltst du aber erst, wenn du deine Facharztausbildung (oder Allgemeinmedizinerausbildung) erforlgreich beendet hast.
    2) Fuer dich wird das Jus migrandi relevant. Eigentlich hat man nur auf Druck der EU die Richtline 2005/36/EG in 2010 angepasst (Turnusaerzte haben massenhaft Petitionen an die EU geschickt). Diese Richtlinie regelt die Anerkennung der Berufsqualifikationen ueber die EU-Grenzen. Seit 2010 erhaeltst du dadurch in Deutschland (wie deine deutschen Kollegen) direkt die Approbation und darfts dort auch uneingeschraenkt selbstaendig taetig werden.
    3) In Deutschland hast du keinen Nachteil gegenueber deinen deutschen Kollegen. In Oesterreich jedoch schon: Wuerdest du ohne deutsche Facharztdiplom zurueckkommen, darfst du dich nicht als approbierter Arzt einschreiben lassen (der dt. Medizinabsolvent schon). Diese Dirkriminierung ist mit ein Grund warum viele den Turnus absolvieren. Aber auch mit ein Grund, warum auch Oesterreicher ueber die Grenze gehen (dann koennen sie direkt mit ihrem Fach beginnen). 

    #851826
     Watti 
    Mitglied

    Danke, das war mir eine echte Hilfe…Kann ich wieder ruhig schlafen, nachdem ich gesehen hab, wiie Turnusärzte behandelt werden.

    Aber eine Frage bleibt: Darf ein Allg. Mediziner andere medis verschreiben als ein FA für was anderes?

    Danke für die ausführliche Antwort 😉

    #851830
     Andi1234 
    Mitglied

    [quote=Watti]

    Aber eine Frage bleibt: Darf ein Allg. Mediziner andere medis verschreiben als ein FA für was anderes?

    [/quote]

    Fast alles, hin und wieder gibts da glaub ich Außnahmen. Mir fällt da zB. "Methotrexat" ein, dass soweit ich weiß ein Hausarzt nicht anordnen darf, ein Rheumatologe (logischerweise) schon… Und so wirds ganz wenige Dinge geben, die man als HA nicht anordnen kann. 
    Man korrigiere mich bitte, wenn ich hier falsch liege 😉

    #851836
     Watti 
    Mitglied

    Darf dann jeder andere FA auch diese Medis des Hausarztes verschreiben oder darf ein kardiologe bloß seine speziellen Medis verschreiben?

    #851838
     Elender_Streber 
    Mitglied

    Es gibt ja dieses "Boxen-System" im niedergelassenen Bereich in AUT: 1) Grün-Box….jeder darf alles verschreiben zB Mexalen, Aspirin, Pantoloc etc. 2) Gelb-Box: Es gibt Auflagen, ZB muss schon mit vielen oder sogar allen anderen (ist im Einzelfall des Medikaments genau vorgegeben) Therapieversuchen nachweislich probiert worden sein das Problem zu lösen bevor dieses Gelb-Box-Medikament verschrieben werden darf und/oder die Verschreibung bedarf einer besonderen Dokumentation und/oder einer Chefärztlichen Bewilligung…. 3) Rot-Box: Kein HA darf diese verschreiben, nur der FA oder sogar nur der FA mit dem passenden Additiv-Fach, etwa Methotrexat oder irgendwelche monoklonale AK! plus Dokumentationswahnsinn! Das dient nicht nur als fachliches Regulativ, es dient vor allem den Kassen der Kostenkontrolle…. Vieles darf ein HA zwar verschreiben, wenn es für ihn aber nicht zur Verschreibung vorgesehen ist (Gelb-Box), dann erhält er keinen Cent! 

    #851839
     Elender_Streber 
    Mitglied

     Und das gilt auch in die andere Richtung: eine Kardiologe hat zB klarerweise nicht die Möglichkeit ein HNO-Spezialpräparat zu verrechnen. Wohl aber ein Aspirin bei einer Erkältung….wer sagt dass das nicht für die Arterien ist! (gehört also quasi zu seinem Werkzeug, deshalb gehts…) Ein Kardiologe (oder anderer FA) ist ja ein Stück weit auch AM… deshalb sind alle Basistherapeutika in seinen Händen….oder hast schon einmal einen FA gesehen der einen Patienten wegen einer Bagatelle zum HA schickt? Das wird nicht passieren! Dürfen tut dieser fast alles, verrechnen kann er aber eben nicht alles. Es geht wieder um die Kohle!
    Der HA darf (noch) extrem viel: RR umstellen, Fett-Medikas, Antiepileptika einstellen, Psychopharmaka und und und …. für die kurze und die inhaltliche Art der Ausbildung ist das ganz schön mächtig! Fast schon fahrlässig! Aber gottseidank leiden die meisten von uns nicht an einer pathologischen Selbstüberschätzung und es passiert so meist nichts Schlimmeres…
    HÄ dürfen viel, jedoch wie oben bereits erwähnt, wird nicht alles verrechnet. Ich kenn HÄ die TropT-Schnelltest aus eigener Tasche zahlen, die Ultraschall anbieten ohne dass sie dieses mit der Kassa verrechnen könnten. Und zuletzt bleibt noch zu erwähnen, dass die Pharmavertreter den HÄ und FÄ (und zwar jenen ohne Hausapotheke) Besuche abstatten wo immer eine wenig an Gratis-Medikas verschenkt wird. Die darfst du gesetzlich natürlich verschreiben und schenkst sie quasi dem Patienten weiter. Bist du blank, so muss der Patient, wenn er das Medika über dich weiter haben will, diese selber in der Apotheke kaufen!

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