Schrauben im Kiefer – Über einen Kurs der Implantologie

Erfahrungsbericht – Die Implantologie kann mit ruhigen Gewissen als eine der erfolgreichsten Neuentwicklungen letzterer Zeit in der Zahnmedizin bezeichnet werden. Als Teil der Oralchirurgie wird sie allerdings in heimischen Ausbildungsstätten für Zahnklempner sehr weit hinten in der Priorität des Lehrplans gereiht. Gut, dass interessierte Studierende (mit dem nötigen Kleingeld) andere Möglichkeiten haben, um sich die Basics dieses speziellen Fachs wenigstens kärglich anzueignen

Das Arbeiten am Tierpräparat

Das Arbeiten am Tierpräparat

Eine dieser Möglichkeiten ist der Kurs Implantologie für Studierende der Deutschen Gesellschaft für Orale Implantologie (DGOI). Die DGOI ist ein recht neuer Verein auf diesem hart umkämpften Gebiet, der sich seine Sporen erst noch verdienen muss. Als Abgrenzung zu anderen Konkurrenten bietet die DGOI deshalb eigens für Studenten diesen – nennen wir es „Schnupperkurs“ an, der sich in zwei Tagen intensiv mit der Materie auseinandersetzt. Was ein topmotivierter Zahni nun erwarten kann, wenn er sich zusammen mit ein paar Kollegen seines Jahrgangs die volle Ladung Implantate geben will, ist ein gut organisiertes Programm mit einigen Wermutstropfen.

Die Registrierung lief einigermaßen reibungslos: Der Anmeldebogen wurde ausgefüllt, wobei man mehr oder weniger dazu genötigt wurde eine kostenlose Mitgliedschaft der DGOI zu erwerben, damit man in den Genuss des ermäßigten „Kostenbeitrags“ kommt. Dieser Zettel wurde dann der Convenience halber eingescannt und einer überaus netten Sachverständigen geschickt, die sich auch prompt für die Zusendung bedankte. Wenige Tage später trudelten die Informationsunterlagen mit der Post ins Haus, zusammen mit einem Zahlschein über die 150€ Kursgebühr.

Der Kurs selbst fand am letzten Juliwochenende in einem etwas snobistisch anmutenden Golf Resort im Chiemgau statt. Mag sein, dass es die Veranstalter lustig fanden, einen ganzen Haufen voller zukünftiger Zahnärzte ausgerechnet auf einem Golfplatz unterzubringen. Jedenfalls erntete man angesichts der Zimmerpreise im selben Hotel (zurecht) ein etwas schiefes Lächeln, wenn man anderen Kursteilnehmern mitteilte, dass man sich für die Nacht hier einquartiert habe und nicht eine der billigeren Frühstückspensionen in der Umgebung bemüht hatte.

Vorträge am ersten Tag

Vorträge am ersten Tag

Der Aufbau des Kurses war ansonsten so einfach wie logisch: Am ersten Tag wurden die theoretischen Grundlagen aufgearbeitet, die am zweiten Tag bei mehreren parallel stattfindenden Workshops umgesetzt werden konnten. Vom ersten Tag kann berichtet werden, dass die Referenten wirklich fast ausnahmslos hervorragend vorbereitet waren und teilweise recht komplizierte Inhalte gekonnt vermittelten (ein Umstand, den man von manchen Dozenten an unseren geliebten Medizinerschmieden nicht unbedingt gewohnt ist). Das Programm war abwechslungsreich und interessant und zwischen den Vorträgen wurden immer wieder Kaffeepausen und ein tolles Mittagsbuffet eingeschoben.  Auch thematisch waren die Vorträge durchaus logisch konstruiert. So wurde gleich als erstes die Anatomie nochmals wiederholt, dann wurden die Implantate in all ihren Variationen vorgestellt und schließlich die chirurgischen Möglichkeiten bei schwierigen Fällen vorgestellt. Ein letzter Vortrag mit dem Titel „Der Patient“ – Wünsche wecken / Bedarf ermitteln / Erwartungen erfüllen, ließ beim lesen des Titels erahnen, dass der Kurs nun endgültig eine Wendung in Richtung Konsumfaschismus einschlug, erwies sich schlussendlich aber (gottseidank) doch als informativ und witzig.

Nicht unerwähnt bleiben darf der „Bayrische Abend“, bei welchem man den Tag mit Schweinebraten, Knödeln und rauen Mengen an Bier dekadent ausklingen lassen durfte.

 

Implantate setzen am Modell

Implantate setzen am Modell

Der nächste Tag stand im Zeichen der praktischen Ersterfahrung. Auf verschiedenen Stationen präsentierten Anbieter ihre Implantatsysteme und Instrumente zur Knochenaugmentation, erklärten geduldig jeden Handgriff und ließen die Studenten an Modellen üben. Im zweiten Teil des praktischen Kurses wurden mehrere Aufgaben am Tierpräparat durchgeführt, wie die Teilung und Verbreiterung eines Knochens im Sinne der Augmentation, ein Sinuslift (am sagittal geteilten Schafskopf) und natürlich das Setzen eines Implantats. Dabei kam man wirklich bei jeder Station ausreichend zum Zug und man erhielt ein Gefühl für die notwendigen Handgriffe. Das einzige was den ganzen Tag über ein bisschen störend wirkte – was aber grade bei einer solchen Veranstaltung schwer zu vermeiden sein dürfte – war die ständige Allgegenwärtigkeit der Industrievertreter, die betont dezent hinter ihren Schreibtischen platziert waren und es irgendwie doch schafften, dass man am Ende des Tages mit einer Umhängetasche (mit Logo) nach Hause fuhr, in der sich eine zweite Tasche (mit Logo) befand, in der sich Flyer, Prospekte, Kugelschreiber, Gutscheine, Angebote und sogar Handcremes und Sonnenbrillen (mit Logo) tummelten.

Alles in Allem muss aber wirklich Lob ausgesprochen werden. Das Preis-Leistungs-Verhältnis des Kurses ist wahrscheinlich schwer zu übertreffen. Die Veranstaltung war lehrreich und sinnvoll für jeden Studenten, der sich vorstellen kann irgendwann Implantate zu setzen. Als Ausbildung reicht diese kurze Hands-on-Etüde natürlich nicht, aber auch dafür hat die DGOI passende Angebote im Repertoire, die einen Dr.med.dent. dann dazu berechtigen das Wort „Implantologe“ in sein Türschild zu gravieren. Und damit man das auch nicht vergisst, hat man ja die kostenlose Mitgliedschaft der DGOI abgeschlossen, die einen mit Newslettern ab und zu auch daran erinnert.

PS – 08.12.2014


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