Podiumsdiskussion ÖH Medizin Wien 2017

podiumsdiskussion

Es ist kaum zu glauben. Die ÖH-Wahlen werden heuer durch klitzeklare Turbulenzen in der Bundespolitik überschattet. Sonst wird den StudentInnen wenigstens noch mindestens gleich viel Aufmerksamkeit wie den Wahlbeteiligungsrekordhaltern Wirtschaftskammer oder anderen unbedingt notwendigen Interessensvertretungen geschenkt. 2017 dachten bei der Podiumsdiskussion leider alle nur mehr darüber nach, wann “Zwei Trottel gegen Django” endlich wieder im Öffentlich-rechtlichen übertragen wird.

Wirklich toll war die Einbindung des Publikums. Ein sehr repräsentativer Anteil der 10.000 politisch unglaublich extremst gebildeten und interessierten MedUni Wien-StudentInnen – deshalb wurde wohl am Anfang das Wahlsystem erklärt – löcherte das Podium mit äußerst relevanten Fragen. Dieser Schritt wurde wohl aufgrund der Erfahrungen aus den letzten zwei Podiumsdiskussionen gesetzt. Die SpitzenkandidatInnen und der Kandidat für die Studienvertretung Human sind sich nämlich sowieso immer einig: Es haben ohnehin alle Recht, sie treten nur für die falschen Fraktionen an.

Es war allerdings die Moderatorin selbst, die den wahrsten Satz aussprach, der jedes Jahr in jeder ÖH-Diskussion immer wieder gilt: “Wen interessiert jetzt, dass sich Leute gegenseitig ausrichten, was wer in den letzten zwei Jahren nicht gemacht hat?” Sie war gleichzeitig die Einzige, die nicht den Plan verfolgte, alle ZuschauerInnen einzuschläfern, um von den extrem guten Inhalten der Fraktionen abzulenken. Selbst das gezielt aggressive Publikum brachte Astrid Kuffner nicht aus der Ruhe. Allerdings wird sie sich vor weiteren Diskussionen mit MedizinstudentInnen wohl leider zweimal überlegen, ob sie sich das extremst hohe Niveau der Elite der Elite noch einmal antun will.

Highlights der Podiumsdiskussion

Weil durch die hohe Qualität der Podiumsdiskussion schwer zu entscheiden ist, was die besten der besten Aussagen und Positionen waren, folgt hier eine zufällige Auswahl aus wachen Momenten:

Sarah Hafian von den JUNOS hält “Meine Oma hat gesagt, dass…” nicht für ausreichende Evidenz. Peter Bauer von den Students4Students versuchte als einziger, die Diskussion in einem sinnvollen Rahmen zu halten, anstatt über Dinge zu streiten, über die eigentlich die letzten zwei Jahre gestritten werden hätte können. Und er findet Geld gut.

Adam Cervenka von der AG Med widersprach witzigerweise einer Behauptung von Hafian. Wegen den ÖH-internen Streitereien könnte sie sich bis jetzt nicht mit allen an einen Tisch setzen, um etwas weiterzubringen. Dass bei der aktuellen ÖH-Exekutive nicht mitgearbeitet werden könne, sei falsch. Cervenka selbst arbeite tatsächlich ohne Mandat mit. Die WUM und die JUNOS können das vielleicht nicht ganz glauben.

Die Unterschiede zu den Forderungen von vor zwei Jahren sind eklatant. Markus Seibt von den WUM sieht kein Problem mehr darin, dass bei 80% Anwesenheit ein ganzes Studienjahr geschwänzt werden kann. Das Mantra “100 % Wissen statt 100 % Anwesenheit” könnte stilistisch von einem GRAS-Plakat mit “Es gibt keine reichen Studierenden, nur reiche Eltern” geklaut sein. Die JUNOS übernehmen dafür die Idee von der AG vor zwei Jahren, dass bei Reanimationsübungen nicht so viel gefehlt werden sollte. Lisa Leutgeb vom VSStÖ fordert kein Grundstipendium für alle mehr. Die UFMUW hat mit Julia Wunsch eine andere Spitzenkandidatin als vor zwei Jahren, und es tritt jemand in der Bundesvertretungswahl an

Wichtiges aus der Podiumsdiskussion

Alle Anwesenden bei der Podiumsdiskussion durften je dasselbe siebenfach wiederholen. Natürlich wurde über Ausbildung und Lehre diskutiert. Die ist wichtig, das war sie vor zwei Jahren auch schon. Das Wahlbingo konnte mit “Wahlfreiheit”, “Flexibilität”, “Softskills” “Bulimielernen”, “Blockprüfungen” und “Liquid Democracy” gewonnen werden. Fachhochschulen sind toll, aber das Medizinstudium ist viel zu verschult. Alle Unis in Österreich sollen zusammenarbeiten. Praktische Skills sind wichtig. Heidelberg ist toll, aber niemand weiß, wie das Studium dort abläuft. Ultraschall ist wichtig. Blutabnehmen ist nicht so schwer. Die Fragenqualität muss erhöht werden. Ein Professor schätzt, dass die Erstellung einer guten Frage für die Returnweek 5.000 Euro kostet. Geld muss in die Hand genommen werden. Der Aufwand und die Kosten für bessere Prüfungen übersteigen sogar die Kopfrechenkünste von Anästhesisten in Ausbildung.

Anwesenheitspflicht bei der Podiumsdiskussion

Nach der Halbzeit der Podiumsdiskussion ohne Pause wurde ein zweites mal über Anwesenheitspflicht diskutiert. 60 % der StudentInnen arbeiten. Trotzdem Jubelt Rektor Müller über AbsolventInnenquoten von 95 %. Fleißig, diese MedizinstudentInnen! Um die Wichtigkeit von geringeren Anwesenheitspflichten zu veranschaulichen, wurde mehr als 20 % der Zeit für die Podiumsdiskussion mit diesem Thema verschwendet.

E-Learning ist wichtig. Die Umsetzung muss man sich noch anschauen, aber man muss einfach nur machen! Digitalisierung! Logbücher sind wichtig, sie müssen aber besser werden, und digitalisiert! Mit weniger Anwesenheitspflicht hätten Studierende einfachere Möglichkeiten, ihr Studium mit Erwerbsarbeit zu finanzieren. Gut, dass die Anwesenheitspflicht angesprochen wurde! Als Ordinationsassistenz kann man was lernen. Andere Jobs – und gleichzeitig über den Tellerrand hinauszuschauen – bringen natürlich nichts. Das 72-Wochenpraktikum soll bezahlt werden, es wird daran gearbeitet, es gibt Schritte. Eine Schwangerschaft sollte noch immer “zeitgemäß” besser verschwiegen werden. Sport ist natürlich wichtig. Postgraduelle Studien sind eh sowieso wichtig. ZahnmedizinerInnen sollen unterstützt werden, ein Mandat für ZahnmedizinerInnen in der Hochschulvertretung wäre laut Students4Students eine gute Idee.

Bundespolitische Themen wurden auch angesprochen. Die Ideen dazu können in den Positionen der Bundesfraktionen nachgelesen werden.

Nach viel zu kurzen zweieinviertel Stunden war die extremst nicht sinnlose Podiumsdiskussion dann leider auch schon wieder vorbei. Mit sehr guter Audioqualität kann das Event aber auf Youtube glücklicherweise bis zum Ende der Zeit immer wieder erlebt werden.


Der Autor hat die ÖH Med Wien von 2015 bis 2016 als IT-Referent unterstützt und fragt sich, warum niemand die tolle, neue ÖH-Website erwähnt hat. Außerdem war ein Freund von ihm in Heidelberg. Heidelberg ist eine schöne Stadt.

Die Podiumsdiskussion 2019 wird von einem abhängigen Jungsozialisten und einem unabhängigen Nextdocmitarbeiter geleitet. Die Planungen laufen schon jetzt auf Hochtouren, damit es nicht wieder am Zeit- und Arbeitskraftfaktor scheitert. Wer nicht kommt ist selbst schuld.

WS – 12.05.2017

Schreib uns

sende uns deine digitale Brieftaube!

Sending

© 2016 by nextdoc with ♥ from beautiful Vienna

Baylor medical center-dallas http://osterreichapotheke.at/ Zeitschrift für Naturheilkunde

Bei nextdoc einloggen

oder    

Passwort vergessen?

Create Account