Facharzt für Psychiatrie als ehemals Betroffene

Dieses Thema enthält 4 Antworten und 4 Stimmen. Es wurde zuletzt aktualisiert von  loudlikelove vor 4 Monate. 2 Wochen.

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  • #14035239 Antwort
     loudlikelove 
    Participant

    Liebe Kollegen!

    Ich werde nächstes Jahr eine Facharzt Ausbildung im Bereich Psychiatrie beginnen, was schon immer mein Ziel war. Nun ist es aber so, dass ich zu Beginn meines Studiums an schweren Depressionen erkrankt war, was in weiterer Folge zu selbstverletzendem Verhalten geführt hat. Ich habe mehrere Therapien gemacht und bin seit einiger Zeit stabil und verletze mich nicht mehr. Dennoch habe ich deutlich sichtbare Narben an beiden Armen (und Beinen, aber diese kann man besser verstecken). Bisher habe ich immer lange Ärmel bzw 7/8 Ärmel getragen, weswegen die Narben kaum aufgefallen sind. Nun überlege ich aber weiter. Soll ich meinem zukünftigem Chef von den Narben erzählen? Gerade im beruflichen Kontext fällt es mir sehr schwer die Narben offen zu zeigen. Privat bin ich da erheblich weiter. Sie gehören zu meiner Vergangenheit, dennoch habe ich desöfteren schlimme Kommentare und tlw auch Diskriminierungen erlebt, wenn ich sie nicht verbergen konnte (ZB im OP). Daher habe ich große Angst, dass es wieder so laufen könnte.

    Hat hier jemand ähnliche Erfahrungen oder Kollegen, die SVV Narben haben?
    Soll ich meinem Chef besser davon erzählen oder diese weiter verstecken?
    Ich habe wenig Angst vor der Reaktion der Patienten, da ich von diesen bisher nur positive Rückmeldungen bekommen habe bzw. mir klar ist, dass es eine Gratwanderung ist bei welchen Pat. man diese zeigen kann und bei welchen nicht.

    Vielen Dank für eure Meinungen schonmal,
    Liebe Grüße,
    Loudlikelove

    #14035248 Antwort
     Medicus2010 
    Keymaster

    Liebe/r Kollege/in,

    mein persönlicher Rat wäre es deinem Arbeitgeber bzw. Primar nicht mitzuteilen! Es handelt sich hier um eine Erkrankung, die vorbei ist und man sollte selbst beim Fach Psychiatrie nicht den Fehler machen zu glauben, dass jeder Chef Verständnis für seine Mitarbeiter hat! Es ist daher auch eine Frage wie der Primar ist! Wie gesagt, es wäre anders wenn es sich um eine aktuelle Erkrankung handeln würde!

    Alles liebe!!

    #14035285 Antwort
     Ameliala

    Hallihallo!
    Ich bin noch nicht ganz so weit wie du und noch mitten im Studium, doch Gedanken habe ich mir darüber dennoch schon gemacht. Auch ich habe Narben, die kaum zu übersehen sind.
    Grundsätzlich würde ich mir die Frage stellen, aus welcher Intention heraus du deinem Chef von den Narben erzählen möchtest?
    Ich glaube ich würde es anfangs nicht tun, weil es doch etwas sehr persönliches ist, dies von sich Preis zu geben.
    Ich würde eher abwarten bis ich einschätzen kann wie er reagiert und je nachdem entscheiden. Hoffe du findest einen Weg, der für dich passt!
    Alles Liebe und viel Kraft!

    #14035370 Antwort
     neuerdings 
    Participant

    Hallo!

    Ich befinde mich gerade in einer sehr ähnlichen Situation. Ich habe selbst eine psychiatrische Vorgeschichte mit stationärem Aufenthalt sowie Selbstverletzungen in der Jugend. Noch bin ich nicht mit dem Studium fertig, aber bald – gerade mache ich mein KPJ Tertial C auf der Psychiatrie, was mir hoffentlich bei der Entscheidungsfindung helfen soll. Ich habe zwar Interesse an dem Fach, bin mir aber aus mehreren Gründen nicht 100% sicher.

    Meine Narben sind nicht stark ausgeprägt, aber ich verberge sie schon wenn möglich. Auch deshalb, weil ich auf der Psychiatrie gemerkt habe dass SVV eben doch stark mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung in Verbindung gebracht wird. Was nicht wahr ist, aber doch in vielen Köpfen verankert zu sein scheint.

    Ich würde im Beruf nie so offen mit meiner Vergangenheit umgehen – es wird auf den Abteilungen immer viel geredet, und so kommst du nur ins Kreuzfeuer. Wenn es irgendwie geht würde ich die Narben verbergen.

    Ich hoffe du findest eine Ausbildungsstelle wo du dich gut aufgehoben fühlst.

    Liebe Grüße

    #14036216 Antwort
     loudlikelove 
    Participant

    Hallo liebe Kollegen!

    Ich wollte mal ein Update schreiben. Ich habe mittlerweile meine Facharztausbildung begonnen. Als es noch nicht so warm war, blieb ich bei den langen Ärmeln (eh klar), aber nun ist es doch seit drei Wochen warm.
    Letzte Woche hat mich dann eine Krankenschwester angesprochen und gefragt, ob ich den ganzen Sommer wegen meinen Narben langärmelig tragen will. Das war so locker, dass ich völlig selbstverständlich geantwortet habe ohne groß nachzudenken. 🙂 es ergab sich ein nettes Gespräch, wo sie betont hat wie sehr sie mich als Mitarbeiterin schätzen und mich diesbezüglich auch unterstützen würden. Ich habe dann beschlossen mit meinem Chef darüber zu sprechen, auch um Gerüchte zu vermeiden.
    Was soll ich sagen? Das Gespräch mit meinem Chef war sehr gut! Er ist der Meinung, dass es für viele Patienten auch ein positives Signal sein kann. Er hat natürlich intensiv nachgefragt, ob es Vergangenheit ist, was ich natürlich bejaht habe. Ich habe das hinter mir gelassen. Er lässt mir die Entscheidung offen und das tun was ich für richtig halte.
    So weit so gut. Heute folgte dann das Gespräch mit dem OA, bei dem ich zugeteilt bin. Der hat bei weitem nicht so positiv reagiert. Er war nicht direkt ablehnend, aber er gehört offenbar nicht zu den Ärzten, die Verständnis zeigen (ist mir Pat. gegenüber aber auch schon aufgefallen). Er meinte ich solle lange Ärmel tragen bis ich selbst OA bin.
    Tja und nun bin ich wieder am Anfang.
    Ich bin hin und her gerissen. Eigentlich finde ich es nicht gut den Pat. Zu vermitteln, dass man nicht zu seiner Vergangenheit stehen kann. Dass man sich sein Leben lang verstecken muss. Das kommt mir falsch vor. Aber natürlich möchte ich mir auch keine Feinde machen. Ich bin ratlos.

    @neuerdings:
    Im KPJ habe ich die Narben auch versteckt. Wenn man nicht zu lange auf einer Station verweilt, fand ich das immer besser und leichter.
    Aber wenn man den Ausblick hat die gesamte Facharztausbildung an einer Station zu machen, bin ich schon eher für Ehrlichkeit.

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