Der Kindle und ich – ein Weihnachtsgeschenk?

Entschluss, mir einen Kindle ins Haus zu holen, entstand nach Sichtung der Lernunterlagen für das mir bevorstehende Chirurgie-Tertial. 400 Seiten nur beim ersten Kapitel – sollte ich meinem Drucker das antun?

Ich probierte es, denn am Laptop fällt es mir dank Skype, Facebook, Musik und tausend anderen Sachen sehr schwer, an irgendetwas konzentriert länger am Stück zu arbeiten – dies ist eigentlich auch der Grund, warum dieser Artikel noch nicht früher fertig geworden ist.

Jedenfalls, wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, das Drucken. Ich möchte gar nicht ins Detail gehen, was insgesamt schief gelaufen ist, aber es führten einige Missgeschicke (leerer Toner, doppelseitiges Drucken überfordert meinen Intellekt) dazu, dass ich entnervt aufgab und nun einen nutzlosen Stapel Papier, der größtenteils nur mit den ungeraden Seiten des Skriptums bedruckt war, vor mir liegen hatte.

Kurze Rede, langer Sinn – eine Veränderung musste her. Etwas, das diese großen Stapel von Lernunterlagen, die meinen ohnehin schon kaputten Rücken beim Herumschleppen belasten, überflüssig macht. Etwas, das mir nur sehr wenig Gelegenheit zur Ablenkung bietet. Etwas, das ich mir als durchschnittlicher Student mit kleinem Nebenjob leisten kann!

Wie wär’s mit einem E-Book-Reader?

Am nächsten Tag passte die aggressive Werbung auf amazon.de wie die Faust aufs Auge – der neue Kindle um schlanke 99 Euro war da! Da ich auf solche Gadgets sowieso abfahre und ich mir schon länger nichts in diese Richtung gegönnt habe, las ich mich also in alle möglichen Bewertungen und Rezensionen auf den verschiedensten Seiten ein und erfuhr gleich von den Schwächen des Kindles bei der pdf-Darstellung – also genau der Funktion, weswegen ich den Reader eigentlich haben wollte. Nach dem Prinzip “wird scho’ klappen” und mangels Motivation zum Alternativensuchen war mir das dann relativ egal und ich bestellte einfach.

Ich habe außerdem vor nicht allzu langer Zeit auf diversen Seiten gelesen, dass das erste Bauchgefühl eigentlich immer das beste ist und durch langes Nachdenken keine besseren Entscheidungen getroffen werden. Dadurch fühlte ich mich natürlich bestärkt!

Nach nur zwei oder drei Werktagen war es dann soweit: ich übernahm den Kindle (und den mitbestellten Medikamentenschrank, aber mit) von der neu eingezogenen Nachbarin, die ich vorher noch nie gesehen hatte. Im Gegenzug zum Kindle versprach ich ihr einen selbstgebackenen Muffin, den ich ihr allerdings noch immer – knapp zwei Monate später – schuldig bin.

Beim Auspacken war mir schnell klar: dieses Produkt könnte von Apple sein. Die Verpackung ist nämlich bewusst schlicht gehalten und hat sogar einen eigenen Namen: frustration-free-packaging. Das ist praktisch, denn ich habe im Eifer des Gefechts nicht daran gedacht, gleich eine Hülle für den Kindle dazuzubestellen und musste anfangs auf (Uni-)Reisen immer das frustration-free-packaging benutzen.

Das erste Aufdrehen und das Auffüllen

Der Kindle selbst ist sehr leicht (170 g) und liegt gut in der Hand. In der ein oder anderen Rezension habe ich gelesen, dass einige das Plastik auf der Rückseite des Kindles nicht mögen. Ich finde dieses jedoch sehr angenehm und meine, es fühlt sich (mit Phantasie) ein bisschen samtartig an. Die fünf Knöpfe plus Richtungstasten auf der Vorderseite und die Umblättertasten auf beiden Seiten des Kindles überfordern nicht und sind gut angelegt.

Das Display ist kein Touch-Display! In der Sonne oder unter der Schreibtischlampe reflektiert das Display das Licht nicht mehr, aber auch nicht weniger als normales Papier. Vom Design her finde ich den Kindle insgesamt sehr gelungen. Beim erstmaligen Aufdrehen erscheint die Kindle-Gebrauchsanweisung – diese ist nicht ausgedruckt beigelegt, aber wozu kauft man sich denn einen E-Book-Reader.

Wer noch keinen E-Book-Reader in der Hand hatte, wird von der E-Ink-Technologie begeistert sein. Die Schrift wirkt täuschend echt wie echter Druck auf Papier – super! Das Raufspielen meiner E-Books und pdfs funktionierte sehr schnell ohne Probleme. Einfach an den USB-Port angeschlossen – Files auf den verbundenen Kindle gezogen – fertig! Erwähnenswert ist die sehr lange Laufzeit (mehrere Wochen) des Readers. Dies liegt größtenteils an der E-Ink-Technologie, die nur beim Umblättern Energie benötigt.

Das .pdf-Problem

Als ich das weiter oben erwähnte Chirurgie-Skriptum im pdf-Format das erste Mal am Kindle öffnete, wusste ich, warum in Rezensionen die Darstellung von pdf-Files oft bemängelt wird. Durch den fixen Aufbau der pdfs ist es nicht möglich, die Schriftgröße selektiv zu verändern und da der Kindle ziemlich winzig ist (weniger als A5?), muss man sich bei 100%iger Darstellung einer pdf-Seite die Lupe von Oma ausborgen. Außer die Schrift ist in 30 pt gehalten, aber dies ist bei A4-Skripten wohl eher weniger der Fall. Folien im pdf-Format sind gut dargestellt, da sie im Querformat genau draufpassen und die Schriftgröße üblicherweise etwas größer ist.

Die Lösung für das .pdf- und .epub-Problem

Nach einigem Herumüberlegen und -suchen bin ich im Internet dann auf “Calibre” gestoßen. Calibre ist ein Programm für die Verwaltung und Konvertierung von E-Books und kann u.a. pdfs und freie epub-Files in das Kindle-Dateiformat (.mobi) umwandeln und umgekehrt! Damit ist der nächste Kritikpunkt des Kindles – die fehlende Kompatibilität mit dem offenen Format epub – im Großen und Ganzen entkräftet.

Für all jene, die keine Lust haben, sich die Files immer konvertieren zu müssen (was allerdings wirklich nur Minuten kostet!), kann ich andere E-Book-Reader, die .epubs unterstützen, ans Herz legen. Bei epub-Files ist die Konvertierung sehr gut, bei pdfs stößt dieses Programm allerdings schnell an seine Grenzen, da – wie vorher erwähnt – ein pdf eine starre Struktur hat, die sich nicht leicht konvertieren lässt. Calibre ist für die gängigsten Betriebssysteme – Windows, Mac OS und Linux – verfügbar.

Getestet habe ich die Konvertierung mit dem Chirurgie-Skript und Harry Potter-pdfs. Die Schrift war nun sehr gut zu lesen, jedoch waren Bilder teilweise über mehrere Seiten aufgeteilt und somit unbrauchbar. Möglicherweise kann man das in den Konvertierungseinstellungen besser einstellen – ich gewöhnte mich aber schnell an die etwas chaotische Formatierung und lernte ganz motiviert alles über die Schilddrüse. Bei jedem Umblättern war ich aufs Neue von der Technik begeistert und freute mich, dass es heutzutage solche Sachen gibt, denn im Zug oder dem Bus hatte ich nunmehr keine Zettelwirtschaft zu betreuen.

Markieren und notieren

Was ich allerdings stark vermisste, war das Markieren und Dazuschreiben, denn beides ist am Kindle sehr umständlich. Bei der neuen Kindle-Version um 99 Euro gibt es nämlich kein Keyboard und man muss den Text umständlich wie zB mit einem Noob-Playstation-Controller eingeben. Wer auf das Keyboard nicht verzichten mag, kann auf die etwas teurere Version (119,- €) mit inkludiertem Keyboard zurückgreifen.

Der Amazon-Kundenservice und die Hülle

Nach zwei Wochen Herumtesterei und Mitnahme in Seminare durfte ich den Amazon-Kundenservice kennenlernen, denn nach einer Autoreise nach Slowenien – ich dürfte dabei wohl ein paar Stunden lang auf dem Kindle gesessen sein – war der Bildschirm kaputt und zeigte nur mehr einige schwarze Striche an.
Der freundliche Kundenservice schickte mir nach einem Mail und darauffolgenden kurzen Telefonat anstands- und kostenlos innerhalb weniger Tage einen Ersatz für meinen druckbeschädigten Kindle. Deshalb: immer eine Hülle mitbestellen, die den Kindle etwas schützt.

Fazit

Seit dem Kindle habe ich keine Lernunterlagen mehr ausgedruckt, allerdings muss ich mir nun mehr Zeilen rausschreiben, da die Markierungs- und Notizfunktion des Kindles einfach zu umständlich ist. Ich bereue den Kauf bis jetzt nicht, denn nun ist der Kindle mein ständiger rückenschonender Begleiter in Seminaren und auf Reisen. Wer gerne Passagen markiert und Notizen dazuschreibt, wird weniger Freude mit dem Kindle haben und sollte das Geld eher in ein neues Paar Schuhe investieren und weiterhin den Drucker beschäftigen. Leider habe ich keine Möglichkeit, mehrere E-Book-Reader zu kaufen und zu vergleichen, aber ich denke (dank einiger Rezensionen), dass sich die Reader im Großen und Ganzen ziemlich ähneln und am Kindle dank des Konvertierens sowieso auch alle anderen E-Book-Formate indirekt lesbar sind.

Link

Amazon – Kindle

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