Das böse und das gute (Cholesterin) … oder ist es doch anders als wir glauben?

Nachdem vor Jahrzehnten das Essen von Eiern als regelrecht todbringend hinsichtlich kardiovaskulärem Risiko verteufelt wurde, hat sich über die Jahre die Ansicht durchgesetzt, dass die Cholesterinspiegel im Blut hauptsächlich genetisch determiniert sind [1]. Wer die Empfehlungen der entsprechenden Fachgesellschaften über die letzten Jahre verfolgt hat, dem wird sicher aufgefallen sein, dass die anzustrebenden Zielwerte des bösen Cholesterins (LDL-Cholesterin) vor allem bei Risikogruppen mehr und mehr nach unten revidiert wurden. LDL-Cholesterin wird als negativ gesehen, da es vom Blut in die Gefäßwände aufgenommen wird und dort Plaques bilden kann. Diese Plaques können das Gefäßlumen verengen bzw. kann eine plötzliche Ruptur eines Plaques zu einem akuten thrombotischen Verschluss eines Herzkranzgefäßes bzw. eines Gefäßes im Gehirn führen und somit einen Herzinfarkt bzw. einen Schlaganfall auslösen.

Bei Patienten mit sehr hohem kardiovaskulärem Risiko sind mittlerweile lt. Empfehlungen Zielwerte des LDL-Cholesterins von <70mg/dl anzustreben [2]. Neben männlichem Geschlecht, Blutdruck, Rauchen und Diabetes ist das Alter der Risikobestimmende Faktor. Das bedeutet, dass die empfohlenen Zielwerte für das LDL-Cholesterin mit dem Alter stetig sinken. Somit soll ein Großteil der österreichischen Männer ab 60 Jahren mit einem Statin zur Cholesterinsenkung behandelt werden.

Daher hat eine internationale Expertengruppe eine Übersichtsarbeit erstellt, in dem sie insgesamt 19 veröffentliche Studien analysierte, um den Zusammenhang von LDL-Cholesterin mit der Sterblichkeit bei insgesamt 68.094 Menschen über 60 Jahre darzustellen [3].

Hier beschreiben die Autoren, dass ältere Menschen mit hohem LDL-Cholesterin länger leben als diejenigen mit niedrigem LDL-Cholesterin. Laut deren Aussage wäre das böse Cholesterin bei älteren Menschen gar nicht so böse wie geglaubt. Sie regen daher an, dass die aktuellen Richtlinien zur Cholesterinsenkung bei älteren Menschen überarbeitet werden sollten.

Diese Übersichtsarbeit wird jedoch mittlerweile in der Community heftig diskutiert und kritisiert. Die Autoren werden angeschuldigt ungerechtfertigte Korrekturen der Daten vorgenommen zu haben [4]. Der englische NHS bemerkt, dass nur LDL-Cholesterin, nicht jedoch andere Cholesterintypen analysiert wurden und dass nur die Gesamtsterblichkeit untersucht wurde, aber nicht die kardiovaskuläre Sterblichkeit [5].

Einige Experten bemängeln, dass viele relevante Studien nicht in die Übersichtsarbeit aufgenommen wurden, insbesondere diejenigen die klar zeigen, dass eine Senkung des LDL-Cholesterins bei älteren Menschen die kardiovaskuläre Sterblichkeit senkt.

Daher soll auch die aktuelle Empfehlung das LDL-Cholesterin je nach persönlichem Risikoprofil mit Statinen zu senken aufrecht bleiben.

[1]http://ajcn.nutrition.org/content/103/3/895

[2]https://www.escardio.org/static_file/Escardio/Guidelines/publications/DYSLIPguidelines-dyslipidemias-FT.pdf

[3]http://bmjopen.bmj.com/content/6/6/e010401.full

[4]http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27292972#cm27292972_16204

[5]http://www.nhs.uk/news/2016/06June/Pages/Study-say-theres-no-link-between-cholesterol-and-heart-disease.aspx

RB


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