Clinical skills lab: Venipunktion

Erfahrungsbericht – Im Sommersemester dieses Jahres lud Professor Siegfried Schwarz wieder alle Studierenden des 4.Semesters dazu ein, ein paar Stunden am Nachmittag an einem freiwilligen Praktikum zum Modul Hämatologie teilzunehmen. Den Namen Venipunctions-Praktikum trägt es wohl, da das Hauptaugenmerk darauf gelegt ist, den Studierenden die Blutabnahme inklusive Präanalytik beizubringen. Diese Tätigkeit ist allerdings eingebettet in ein größeres Ganzes, das heute clinical skills lab genannt wird. Hintergrund ist, den Studierenden, noch bevor die MUI sie in den Famulaturalltag im Krankenhaus entlässt, allernötigste praktische Fertigkeiten nahezubringen.

Wie immer melden sich auch dieses Jahr wieder (fast) alle Studenten und Studentinnen des 4. Semesters an. Professor Schwarz veranstaltet eine Einführungsvorlesung, die jedes Jahr aufs Neue die Kapazität des Hörsaals sprengt und großen Lehr-, und nicht zu vernachlässigen, durchaus auch Unterhaltungswert aufgrund der einprägsamen Darbietung und freiwilligen Mitarbeit der anwesenden Studenten hat. Auch einen Film und Unterlagen, also die exakte Arbeitsvorschrift zur Blutabnahme – heutzutage Standard Operating Procedure (SOD) oder Checkliste jedes einzelnen Arbeitsschritts genannt, werden von Prof. Schwarz im ILIAS (= Intranet der MUI) bereitgestellt und auch als Vorwissen bei Antritt des praktischen Teils vorausgesetzt.

Im eigentlichen Praktikum werden die Studierenden in zwei parallele Gruppen aufgeteilt und diese entweder von Prof. Schwarz oder Prof. Stauder sowie von vier studentischen Tutoren, zwei Fachkräften der klinischen Analytik und von Frau Winkler aus der Studienabteilung betreut, die auch nach Abgabe der unterschriebenen Einverständniserklärung und Absolvierung des Praktikums eine Bestätigung der Teilnahme austeilt.

In einem solchen 60-Minuten-Praktikum müssen die Studierenden sukzessive vier Stationen abarbeiten. Bei der ersten Station geht es darum, die Präanalytik zu verstehen. Das heißt, dass man in der Gruppe (zu vier Studierenden) die Fragen bespricht und klärt: Wann wird welcher Parameter (= Analyt) gemessen und welche Monovette wird in welcher Reihenfolge für die Fragestellung verwendet? Anhand mehrerer Fallbeispiele kann man dabei auch gleich sein medizinisches Wissen testen. Die zweite Station lädt dazu ein, ein Infusionsbesteck genau kennenzulernen, auszupacken, mit einer Infusionsflasche zu verbinden und so fertig für die Verwendung vorzubereiten und auch, zwar nur hypothetisch, an einer großen Plastikflasche als gedachten Arm anzuhängen. Zur Vorbereitung auf die wirkliche Blutabnahme am Lebenden dient die dritte Station, bei der man ein Trockentraining am Plastikarm (”Mannequin-Arm“) mit Kunstblut (Saft) durchführte, natürlich inklusive Stauen und Wundmanagement anschließend.

So geübt und mit Zuversicht und Selbstvertrauen versehen geht es nun in der vierten Station darum, im Team eine Blutabnahme am Partner unter ärztlicher Aufsicht durchzuführen, natürlich basierend auf Gegenseitigkeit und Einverständnis. Besonderes Augenmerk wird dabei auch auf die Beschriftung vorher, die Handhabung der Tupfer und des Abnahmematerials sowie die richtige Handhaltung gelegt.

Mir persönlich hat das Praktikum sehr gut gefallen und ich war überrascht, wie viel ich davon lernen konnte. Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, wann man sich die Handschuhe anzieht, wann man staut und wann man die Nadel auspackt, weiters, wie es am besten wäre, meine Hände zu platzieren, ohne mir dabei selbst im Weg zu sein. Für mich war es eine sehr wichtige Erfahrung, hingeführt zu werden darauf, dass man nicht einfach schnell einmal zum Patienten geht und eine Blutabnahme durchführt, sondern natürlich auch überprüfen muss, ob dieser schon einmal Probleme dabei hatte oder eine Bluterkrankheit hat oder Ähnliches. Das mag einem logisch erscheinen, aber als Anfänger in der Aufregung neigt man dazu, so etwas zu vergessen. Außerdem war ich sehr froh darüber, dass mir endlich einmal jemand gezeigt hat, welches Röhrchen für welche analytische Methode zu verwenden ist, da das in die Hauptvorlesung nicht Einzug gefunden hat. Die Betreuung war sehr gut und vor allem geduldig und erklärungsfreudig! Als ich danach die Klinik verließ, hatte ich wirklich das Gefühl, meine Zeit sinnvoll investiert zu haben und neue Fähigkeiten in mein Repertoire aufgenommen zu haben.

Zu danken sei noch den Kolleginnen und Kollegen Hanna Pinhack, Daniel Lechner, Ivana Pranjic, Stefanie Sinz sowie Simon Zaar (der auch schon voriges Jahr als Tutor mitgemacht hat), weiters der Studienabteilung, die voriges Jahr die hierzu unerlässlichen Geräte, wie Blutabnahmestühle, Tische, Mannequin-Arme sowie alle Kleinutensilien gekauft hat. Weiters Prof. Stauder und nicht zuletzt Prof. Schwarz, der schon vor 15 Jahren dieses Praktikum eingeführt und mit über 5000 Studierenden quasi getestet hat. In einer Sitzung der Curricularkommission wurde nun dieses Praktikum als Pflichtpraktikum erklärt und so zum elementaren Teil des Humanmedizinstudiums dazugerechnet. Diese Entscheidung finde ich gut und richtig.

Marina Peball, 13.8.2012, freundlich korrigiert und genehmigt von Prof. Siegfried Schwarz

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