Biologika und Biosimilars bei chronischer Polyarthritis

Chronischer Polyarthritis, eine der häufigsten chronischen Entzündungskrankheiten!

Ungefähr 100.000 Österreicherinnen und Österreicher leiden an chronischer Polyarthritis (CP; 0,6%-2% der Bevölkerung); damit zählt die CP zu den häufigsten chronischen Entzündungskrankheiten [1]. Mit der CP sind neben direkten medizinischen Kosten vor allem hohe indirekte Kosten wie Schmerzbehandlung, Verminderung der Lebensqualität und fehlende Arbeitsfähigkeit – die direkt vom Behandlungserfolg abhängig sind – verbunden [1]. Daher ist eine rasche Diagnose und frühzeitige Behandlung – initial gemeinsam mit niedrig dosierten Corticosteroiden – mit disease-modifying antirheumatic drugs (DMARDs) von großer Wichtigkeit [2]. Mit dieser Strategie konnte schon in den vergangenen Jahrzehnten erreicht werden, dass Rheumatologen heutzutage immer weniger zerstörte Gelenke sehen.

Was sagen die Guidelines?

Laut den aktuellen Guidelines gilt noch immer das bewährte Methotrexat (MTX) als Therapie der ersten Wahl unter den DMARDs [2]. Nicht bei allen Patienten kann allerdings mit den konventionellen DMARDs allein eine adäquate Besserung erzielt werden. Insbesondere bei Patienten mit schlechten prognostischen Faktoren wie hohe Krankheitsaktivität, Vorhandensein von Autoantikörpern und frühzeitigem Gelenksschaden soll frühzeitig überlegt werden zusätzlich eine Therapie mit einem Biologikum (bDMARD) zu beginnen [2, 3].

Derzeit gibt es unter den zugelassenen bDMARDs vier verschiedene Wirkweisen: TNF-Inhibition, Interleukin-6-Inhibition, Blockade der T-Zell Co-Stimulation und B-Zell Depletion [3]. Obwohl die Targets und Wirkweisen der bDMARDs sehr unterschiedlich sind, wirken alle bisher zugelassenen Biologika gleich gut [3], wobei Rituximab im Vergleich mit Adalimumab/Etanercept jedoch kosteneffektiver war [4]. Derzeit stehen weitere Biologika kurz vor der Zulassung, u.a. der IL-6R Blocker Sirukumab (Phase III).

Biologika versus Biosimilars

Da der Patentschutz mehrere Biologika derzeit am Auslaufen ist, kommen vermehrt sog. „Biosimilars“ auf den Markt. Der Unterschied zu klassischen Generika hierbei ist, dass auf Grund der Nicht-Veröffentlichung der Herstellungsprozesse der Biologika seitens der Hersteller, die einzelnen Antikörper/Proteine nicht vollständig kopiert werden können. Die ersten Studien, die das Originalpräparat mit dem entsprechenden Biosimilar verglichen haben, konnten jedoch nicht nur eine ähnliche Wirksamkeit, sondern auch ein vergleichbares Nebenwirkungsprofil zeigen [5].

Neben den konventionellen DMARDs (csDMARD), den Biologika (bDMARD) gibt es dir relativ neue Klasse der targeted DMARDs (tsDMARD) wie den Janus-Kinase Inhibitor Tofacitinib [3].
Obwohl eine Tofacitinib Monotherapie im Vergleich zu MTX hinsichtlich Reduktion von Symptomen und hinsichtlich Verhinderung von Gelenksschäden überlegen war, ist es derzeit in der Europäischen Union noch nicht zugelassen [3, 6].

Ausblick

Durch die neuen (kostengünstigeren) Biosimilars und JAK-Inhibitoren stehen in naher Zukunft Substanzen zur Verfügung, die die bisherige Therapie der CP gut ergänzen.

Quellen:
[1] Wagner E. Direkte und indirekte Kosten der chronischen Polyarthritis und sozio-emotionale Auswirkungen dieser Krankheit – eine Untersuchung in Österreich. Wien Med Wochenschrift (2005)
[2] Smolen JS. EULAR recommendations for the management of rheumatoid arthritis with synthetic and biological disease-modifying antirheumatic drugs: 2013 update. Ann Rheum Dis (2013)
[3] Smolen JS. Rheumatoid arthritis. Lancet (2016)
[4] Porter D. Tumour necrosis factor inhibition versus rituximab for patients with rheumatoid arthritis who require biological treatment (ORBIT): an open-label, randomised controlled, non-inferiority, trial. Lancet (2016)
[5] http://media.biogen.com/press-release/biosimilars/new-data-presented-annual-european-congress-rheumatology-eular-2016-demons
[6] Lee EB. Tofacitinib versus methotrexate in rheumatoid arthritis. N Engl J Med (2014)

 

RB

Veranstaltungstipp:

rheumakollegium

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